Was Sie von dem Gange der Oper sagen, finde ich sehr gut. Die Momente sollen nicht so rasch wie im anderen Schauspiele folgen. Der Schritt muß schleichender, ja, an vielen Orten zurückgehalten sein. Die Italiener haben die größten Effekte mit einzelnen Situationen gemacht, die nur so zur Not am allgemeinen Faden des Planes hängen. Man verlangt nicht vom Flecke, weil das Ganze nicht interessiert, weil einem an jedem besondern Platze wohl wird.
Was sind die Mühseligkeiten eures Lebens gegen die Jämmerlichkeiten eines Stands, der die besten Triebe, durch die wir werden, wachsen und gedeihen, aus mißverstandner Begierde, Gott näher zu rücken, verdammt!
Was sind wir Großen auf der Woge der Menschheit? Wir glauben, sie zu beherrschen, und sie treibt uns auf und nieder, hin und her.
Was sogar die Frauen an uns ungebildet zurücklassen, das bilden die Kinder aus, wenn wir uns mit ihnen abgeben.
Was soll ich viel lieben, was soll ich viel hassen? / Man lebt nur vom leben lassen.
Was uns zuwider / wäre, glaubten wir wohl dem künstlichen Redner, doch eilet / unser befreites Gemüt, gewohnte Bahnen zu suchen.
Was Vater! Mutter! / Weißt du, woher du kommst? / Ich stand, als ich zum erstenmal bemerkte, / die Füße stehn, / und reichte, da ich / diese Hände reichen fühlte, / und fand die achtend meiner Tritte, / die du nennst Vater und Mutter.
Was verkürzt mir die Zeit? / Tätigkeit! / Was macht sie unerträglich lang? / Müßiggang! / Was bringt in Schulden? / Harren und Dulden! / Was macht Gewinnen? / Nicht lange besinnen! / Was bringt zu Ehren? / Sich wehren!
Was vom Christentum gilt, gilt von den Stoikern, freien / Menschen geziemet es nicht, Christ oder Stoiker sein.
Was weißt du, was der Mensch begehrt!
Was wir verstehn, das können wir nicht tadeln.
Was wär ein Gott, der nur von außen stieße, / im Kreis das All am Finger laufen ließe! / Ihm ziemt's, die Welt im Innern zu bewegen, / Natur in Sich, Sich in Natur zu hegen.
Was wär ich / ohne dich, / Freund Publikum? / All mein Empfinden Selbstgespräch, / all meine Freude stumm.
Was ärgerst du dich über fälschlich Erhobne! / Wo gäb es denn nicht Eingeschobne?
Wechselweise bewahren Geschmack und Sitte einander.
Weh dem, der fern von Eltern und Geschwistern / ein einsam Leben führt! Ihm zehrt der Gram / das nächste Glück vor seinen Lippen weg, / ihm schwärmen abwärts immer die Gedanken / nach seines Vaters Hallen, wo die Sonne / zuerst den Himmel vor ihm aufschloß, wo / sich Mitgeborne spielend fest und fester / mit sanften Banden aneinander knüpften.
Wehe denen, sagte ich, die sich der Gewalt bedienen, die sie über ein Herz haben, um ihm die einfachen Freuden zu rauben, die aus ihm selbst hervorkeimen!
Wehe mir! Welch streng Geschick / verfolgt mich, überall der Männer Busen / so zu betören, daß sie weder sich / noch sonst ein Würdiges verschonten. Raubend jetzt, / verführend, fechtend, hin und her entrückend, / Halbgötter, Helden, Götter, ja Dämonen, / sie führten mich im Irren her und hin. / Einfach die Welt verwirrt ich, doppelt mehr; / nun dreifach, vierfach bring ich Not auf Not. / Entferne diese Guten, laßt ihn frei! / Den Gottbetörten treffe keine Schmach!
Weiber, die in der Jugend Charakter haben. werden Schälke, wenn die Liebhaber sich verlieren.
Weichet, Sorgen, von mir! Doch ach! Den sterblichen Menschen / lässet die Sorge nicht los, eh ihn das Leben verläßt. / Soll es einmal denn sein, so kommt, ihr Sorgen der Liebe, / treibt die Geschwister hinaus, nehmt und behauptet mein Herz!
Weil die meisten Menschen selbst formlos sind, weil sie sich und ihrem Wesen selbst keine Gestalt geben können, so arbeiten sie, den Gegenständen ihre Gestalt zu nehmen, damit ja alles loser und lockerer Stoff werde.
Weil niemand Zweck und Ziel seines Daseins kennt, vielmehr das Geheimnis desselben von höchster Hand verborgen wird, so tastet er nur, greift zu, läßt fahren, steht stille, bewegt sich, zaudert und übereilt sich.
Weil wird doch einmal so gemacht sind, daß wir alles mit uns und uns mit allem vergleichen, so liegt Glück oder Elend in den Gegenständen, womit wird uns zusammenhalten, und da ist nichts gefährlicher als die Einsamkeit.
Weil zum didaktischen Vortrag Gewißheit verlangt wird, indem der Schüler nichts Unsicheres überliefert haben will, so darf der Lehrer kein Problem stehen lassen und sich etwa in einiger Entfernung da herum bewegen. Gleich muß etwas bestimmt sein ("bepaalt" sagt der Holländer), und nur glaubt man eine Weile, den unbekannten Raum zu besitzen, bis ein anderer die Pfähle wieder ausreißt und sogleich enger oder weiter abermals wieder bepfählt.
Weit besser ist's, sie einzuengen, daß man sie wie Kinder halten, wie Kinder zu ihrem Besten leiten kann. Glaube nur, ein Volk wird nicht alt, nicht klug, ein Volk bleibt immer kindisch.
Weit darf man nicht ins deutsche Publikum hineinhorchen, wenn man Mut zu arbeiten haben will.
Welch ein Geschenk für die Menschheit ist ein edler Mensch!
Welch eine andere wissenschaftliche Ansicht würde die Welt gewonnen haben, wenn die griechische Sprache lebendig geblieben wäre und sich anstatt des Lateinischen verbreitet hätte. Das Griechische ist durchaus naiver, zu einem natürlichen, heitern, geistreichen, ästhetischen Vortrag glücklicher Naturansichten viel geschickter. Die Art, durch Verba, besonders durch Infinitive und Partizipien zu sprechen, macht jeden Ausdruck läßlich; es wird eigentlich durch das Wort nichts bestimmt, bepfählt und festgesetzt, es ist nur eine Andeutung, um den Gegenstand in der Einbildungskraft hervorzurufen.
Welch Glück, geliebt zu werden, / und lieben, Götter, welch ein Glück!
Welch Schauspiel! aber ach! ein Schauspiel nur!
Welche Regierung die beste sei? Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren.
Welchen Leser ich wünsche? Den unbefangensten, der mich, / sich und die Welt vergißt, und in dem Buche nur lebt.
Welchen Weg mußte nicht die Menschheit machen, bis sie dahin gelangte, auch gegen Schuldige gelind, gegen Verbrecher schonend, gegen Unmenschliche menschlich zu sein! Gewiß waren es Männer göttlicher Natur, die dies zuerst lehrten.
Welcher Gewinn wäre es fürs Leben, wenn man dies früher gewahr würde, zeitig erführe, daß man mit seiner Schönen nie besser steht, als wenn man seinen Rivalen lobt. Alsdann geht ihr das Herz auf, jede Sorge, euch zu verletzen, die Furcht, euch zu verlieren, ist verschwunden; sie macht euch zum Vertrauten, und ihr überzeugt euch mit Freuden, daß ihr es seid, dem die Frucht des Baumes gehört, wenn ihr guten Humor genug habt, anderen die abfallenden Blätter zu überlassen.
Welcher Kluge fänd im Vatikan nicht seinen Meister?
Welcher Unsterblichen / soll der höchste Preis sein? / Mit niemand streit ich, / aber ich geb ihn / der ewig beweglichen, / immer neuen / seltsamen Tochter Jovis, / seinem Schoßkinde, / der Phantasie
Welches Fest man auch ersann, / ward umsonst begangen: / Pfänderspiel und Dritter Mann / wollten nicht verfangen; / heute sind die Narren los: / Liebchen, öffne deine Schoß! / Bleibt wohl einer hangen.
Welches Genie das größte wohl sei? Das größte ist dieses, / welches, umstrickt von der Kunst, bleibt auf der Spur der Natur.
Welches Recht wir zum Regiment haben, darnach fragen wir nicht: Wir regieren. Ob das Volk ein Recht habe, uns abzusetzen, darum bekümmern wir uns nicht: Wir hüten uns nur, daß es nicht in Versuchung komme, es zu tun.
Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst.
Wem ererbte Reichtümer eine vollkommene Leichtigkeit des Daseins verschafft haben, wer sich, wenn ich mich so ausdrücken darf, von allem Beiwesen der Menschheit von Jugend auf reichlich umgeben findet, gewöhnt sich meist, diese Güter als das erste und größte zu betrachten, und der Wert einer von der Natur schön ausgestatteten Menschheit wird ihm nicht so deutlich.
Wem wohl das Glück die schönste Palme beut? / Wer freudig tut, sich des Getanen freut.
Wem zu glauben ist, redlicher Freund, das kann ich dir sagen: / Glaube dem Leben! Es lehrt besser als Redner und Buch.
Wen du nicht verlässest, Genius, / nicht der Regen, nicht der Sturm / haucht ihm Schauer übers Herz. / Wen du nicht verlässest, Genius, / wird dem Regengewölk, / wird dem Schloßensturm / entgegensingen / wie die Lerche.
Wen ergötzt nicht die Ansicht großer theatralischer Ballette?
Wen Gott niederschlägt, der richtet sich selbst nicht auf.
Wen Helena paralysiert, / der kommt so leicht nicht zu Verstande.
Wen ich einmal mir besitze, / dem ist alle Welt nichts nütze: / Ewiges Düstre steigt herunter, / Sonne geht nicht auf noch unter, / bei vollkommen äußern Sinnen / wohnen Finsternisse drinnen, / und er weiß von allen Schätzen / sich nicht in Besitz zu setzen.
Wen ich länger um mich sehe, den suche immerfort aufmerksam zu machen, welch ein Unterschied stattfinde zwischen Aufrichtigkeit, Vertrauen und Indiskretion, ja, daß eigentlich kein Unterschied sei, vielmehr nur ein leiser Übergang vom Unverfänglichsten zum Schädlichsten, welcher bemerkt oder vielmehr empfunden werden müsse.
Wen jemand lobt, dem stellt er sich gleich.