Wenn ich auf mein früheres und mittleres Leben zurückblicke und nun in meinem Alter bedenke, wie wenige noch von denen übrig sind, die mit mir jung waren, so fällt mir immer der Sommeraufenthalt in einem Bade ein. Sowie man ankommt, schließt man Bekanntschaften und Freundschaften mit solchen, die schon eine Zeitlang dort waren und die in den nächsten Wochen wieder abgehen. Der Verlust ist schmerzlich. Nun hält man sich an die zweite Generation, mit der man eine gute Weile fortlebt und sich auf das innigste verbindet. Aber auch diese geht und läßt uns einsam mit der dritten, die nahe vor unserer Abreise ankommt und mit der man auch gar nichts zu tun hat.
Wenn ich bedenke, wie man wenig ist, und was man ist, das blieb man andern schuldig.
Wenn ich beim Sonnenschein durch diese Straßen / bewundernd wandle, der Gebäude Pracht, / die felsengleich getürmten Massen schaue, / der Plätze Kreis, der Kirchen edlen Bau, / des Hafens masterfüllten Raum betrachte: / Das scheint mir alles für die Ewigkeit / gegründet und geordnet; diese Menge / gewerksam Tätiger, die hin und her / in diesen Räumen wogt, auch die verspricht, / sich unvertilgbar ewig herzustellen. / Allein wenn dieses große Bild bei Nacht / in meines Geistes Tiefen sich erneut, / da stürmt ein Brausen durch die düstre Luft, / der feste Boden wankt, die Türme schwanken, / gefugte Steine lösen sich herab, / und so zerfällt in ungeformten Schutt / die Prachterscheinung.
Wenn ich die Einschränkung ansehe, in welcher die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt sind; wenn ich sehe, wie alle Wirksamkeit dahinaus läuft, sich die Befriedigung von Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere arme Existenz zu verlängern, und dann, daß alle Beruhigung über gewisse Punkte des Nachforschens nur eine träumende Resignation ist, da man sich die Wände, zwischen denen man gefangen sitzt, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten bemalt - das alles, Wilhelm, macht mich stumm.
Wenn ich die Meinung eines andern anhören soll, so muß sie positiv ausgesprochen werden. Problematisches hab' ich in mir selbst genug.
Wenn ich ein Frauenzimmer kennenlerne, gebe ich nur darauf acht, wo sie herrscht; denn daß sie irgendwo herrsche, setze ich voraus. Ich finde durchgängig: Die Tätige, zum Erwerben, zum Erhalten Geschaffene, ist Herr im Hause, die Schöne, leicht und oberflächlich Gebildete, Herr in großen Zirkeln; die tiefer Gebildete beherrscht die kleinen Kreise.
Wenn ich ein Nachtwandler wäre und auf dem gefährlichen Gipfel eines Hauses spazierte - ist es freundschaftlich, mich beim Namen zu rufen und mich zu warnen, zu wecken und zu töten? Laßt jeden seines Pfades gehn, er mag sich wahren.
Wenn ich einen Menschen kennen lerne, frage ich sogleich: Womit beschäftigt er sich? und wie? und in welcher Folge? und mit der Beantwortung der Frage ist auch mein Interesse an ihm zeitlebens entschieden.
Wenn ich einen Menschen kennenlerne, frage ich sogleich, womit beschäftigt er sich und wie und in welcher Folge.
Wenn ich Ihnen raten darf, so werden Sie mehr Vorteil finden, zu suchen, wo Schönheit sein möchte, als ängstlich zu fragen, was sie ist. Einmal für allemal bleibt sie unerklärlich.
Wenn ich im Zimmer auf- und abgehe, mich mit entfernten Freunden laut unterhalten kann und eine vertraute Feder meine Worte auffängt, so kann etwas in die Ferne gelangen. Mich hinzusetzen und selbst zu schreiben, hat etwas Peinliches und Ängstliches, das mir den guten Humor, ja ich möchte beinah sagen die Vertraulichkeit lähmt.
Wenn ich nicht immer neue Ideen zu bearbeiten habe, werde ich wie krank.
Wenn ich nur deiner Frau wie auch der Frau von Stein die Verwünschte Aufmerksamkeit auf Träume wegnehmen könnte! Es ist doch immer das Traumreich wie ein falscher Lostopf, wo unzählige Nieten und höchstens kleine Gewinstchen untereinander gemischt sind.
Wenn ich scheid aus diesem Elend / und laß hinter mir ein Testament, / so wird daraus nur ein Zank / und weiß mir's niemand keinen Dank. / Alles verzehrt vor meinem End, / das macht ein richtig Testament.
Wenn ich tiefer in's Leben sah und alle Freud und Leid ahnte, die des Menschen warten, da wünscht ich mir einen Gatten, dessen Hand mich durch die Welt begleitete, der für die Liebe, die ihm mein jugendliches Herz weihen konnte, im Alter mein Freund, mein Beschützer, mir statt meiner Eltern geworden wäre, die ich um seinetwillen verließ.
Wenn ich von liberalen Ideen reden höre, so verwundere ich mich immer, wie die Menschen sich fern mit leeren Wortschällen hinhalten: Eine Idee darf nicht liberal sein! Kräftig sei sie, tüchtig, in sich selbst abgeschlossen, damit sie den göttlichen Auftrag, produktiv zu sein, erfülle!
Wenn ich vor mir allein bin, erzähle ich mir, was ich gesehen habe, als wenn ich Dir's erzählen sollte, und es berichtigt sich alles.
Wenn ihre kleinsten Mädchen sich mit Puppen herumtragen und einige Läppchen für sie zusammenflicken, wenn ältere Geschwister alsdann für die jüngeren sorgen und das Haus sich in sich selbst bedient und aufhilft: Dann ist der weitere Schritt ins Leben nicht groß, und ein solches Mädchen findet bei ihrem Gatten, was sie bei ihren Eltern verließ.
Wenn im Unendlichen dasselbe / sich wiederholend ewig fließt, / das tausendfältige Gewölbe / sich kräftig ineinander schließt, / strömt Lebenslust aus allen Dingen, / dem kleinsten wie dem größten Stern, / und alles Drängen, alles Ringen / ist ewige Ruh in Gott dem Herrn.
Wenn in Wissenschaften alte Leute retardieren, so retrogradieren junge. Alte leugnen die Vorschritte, wenn sie nicht mit ihren früheren Ideen zusammenhängen, junge, wenn sie der Idee nicht gewachsen sind und doch auch etwas Außerordentliches sein möchten.
Wenn jemand seine verlorenen Pfründe, seine gestörte Karriere schmerzlich empfindet, so wäre es unmenschlich, nicht mitzufühlen; wenn er aber glaubt, daß der Welt auch nur im mindesten etwas dadurch verloren geht, so kann ich unmöglich mit einstimmen.
Wenn Lust und Freude sehr geschickt sind, die Liebe zuerst zu erzeugen und im stillen zu nähren, so wird sie, die von Natur herzhaft ist, durch den Schrecken am leichtesten angetrieben, sich zu entscheiden und zu erklären.
Wenn man alle Gesetze studieren sollte, so hätte man gar keine Zeit, sie zu übertreten.
Wenn man alt ist, denkt man über die weltlichen Dinge anders, als da man jung war.
Wenn man annehmen darf, daß die Wesen, insofern sie körperlich sind, nach dem Zentrum, insofern sie geistig sind, nach der Peripherie streben, so gehört unsere Freundin zu den geistigsten.
Wenn man dem Menschen gleich und immer sagt, worauf alles ankommt, so denkt er, es sei nichts dahinter.
Wenn man der Jugend reine Wahrheit sagt, / Die gelben Schnäbeln keineswegs behagt, / Sie aber hintendrein nach Jahren / Das alles derb an eigner Haut erfahren, / Dann dünkeln sie, es käm aus eignem Schopf.
Wenn man die Probleme des Aristoteles ansieht, so erstaunt man über die Gabe des Bemerkens und für was alles die Griechen Augen gehabt haben. Nur begehen sie den Fehler der Übereilung, da sie von dem Phänomen unmittelbar zur Erklärung schreiten, wodurch denn ganz unzulängliche theoretische Aussprüche zum Vorschein kommen.
Wenn man eine Sache mit Klarheit zu behandeln vermag, ist man auch zu vielen anderen Dingen tauglich.
Wenn man eine Weile in der Welt gesehen hat, wie die gescheitesten Dinge mißlingen und das Absurdeste oft zu einem glücklichen Ziele führt, so kommt man wohl davon zurück, jemandem einen Rat erteilen zu wollen. Im Grunde ist es auch von dem, der einen Rat verlangt, eine Beschränktheit und von dem, der ihn gibt, eine Anmaßung. Man sollte nur Rat geben in Dingen, in denen man selber mitwirken will.
Wenn man einige Monate die Zeitungen nicht gelesen hat, und man liest sie alsdann zusammen, so zeigt sich erst, wieviel Zeit man mit diesen Papieren verdirbt.
Wenn man einmal weiß, worauf alles ankommt, hört man auf, gesprächig zu sein.
Wenn man es beim Lichte besieht, so hat jeder seine eigene Religion, und Gott muß mit unserm armseligen Dienste zufrieden sein aus übergroßer Güte; denn das müßte mir ein rechter Mann sein, der Gott diente, wie sich gehört.
Wenn man es genau betrachtet, so wird jede, auch nur die geringste Fähigkeit uns angeboren.
Wenn man fühlt, daß man mit den Jahren vielleicht an Übersicht und Geschmack gewonnen hat, so glaubt man einigen Ersatz zu sehen, wenn sich Energie und Fülle nach und nach verlieren.
Wenn man in Liebe und Freundschaft glücklich ist, daß unser Herz in der weiten Welt nichts zu suchen braucht, so hat man mit den Menschen einen guten Stand, und man kann sich der Wahrheit gemäß mit ihnen betragen.
Wenn man mit der Welt nicht ganz fremd werden will, so muß man die jungen Leute gelten lassen für das, was sie sind, und muß es wenigstens mit einigen halten, damit man erfahre, was die übrigen treiben.
Wenn man nicht trinken kann, / soll man nicht lieben. / Doch sollt ihr Trinker euch / nicht besser dünken: / Wenn man nicht lieben kann, / soll man nicht trinken.
Wenn man sich nur bewegt, andere in Bewegung bringt, so fügt sich gar manches schön und gut.
Wenn man sich selbst einig ist und mit seinen Nächsten, das ist auf der Welt das beste.
Wenn man so oft unterzugehen fürchtet und sich immer wieder gerettet sieht, das gibt ein Zutrauen!
Wenn man von Leuten Pflichten fordert und ihnen keine Rechte zugestehen will, muß man sie gut bezahlen.
Wenn man weiter nichts vom Leben hätte, als was unsere Biographen und Lexikonschreiber von uns sagen, so wäre es ein schlechtes Metier und überall nicht der Mühe wert.
Wenn man älter wird, muss man mit Bewusstsein auf einer gewissen Stufe stehen bleiben.
Wenn meine Sinne gar nicht mehr halten wollen, so lindert all den Tumult der Anblick eines solchen Geschöpfs, das in glücklicher Gelassenheit den engen Kreis seines Daseins hingeht, von einem Tage zum andern sich durchhilft, die Blätter abfallen sieht und nichts dabei denkt, als daß der Winter kommt.
Wenn mir bei jedem Versehen ein Abzug von meiner Gage in Aussicht steht, so muß mir auch eine Ermunterung in Aussicht stehen, wenn ich mehr tue, als man eigentlich von mir verlangen kann. Dadurch aber, daß alle mehr tun als zu erwarten und zu verlangen, kommt ein Theater in die Höhe.
Wenn mir nun sein Äußeres und sein Benehmen gefielen, so ließ ich ihn lesen, um sowohl die Kraft und den Umfang seines Organs als auch die Fähigkeiten seiner Seele zu erfahren. Ich gab ihm etwas Erhabenes eines großen Dichters, um zu sehen, ob er das wirklich Große zu empfinden und auszudrücken fähig ist, dann etwas Leidenschaftliches, Wildes, um seine Kraft zu prüfen. Dann ging ich wohl zu etwas klar Verständigem, Geistreichem, Ironischem, Witzigem über, um zu sehen, wie er sich bei solchen Dingen benehme und ob er hinlängliche Freiheit des Geistes besitze. Dann gab ich ihm etwas, worin der Schmerz eines verwundeten Herzens, das Leiden einer großen Seele dargestellt war, damit ich erführe, ob er auch den Ausdruck des Rührenden in seiner Gewalt habe.
Wenn mit jugendlichen Scharen / wir beblümte Wege gehn, / ist die Welt doch gar zu schön. / Aber wenn bei hohen Jahren / sich ein Edler uns gesellt, / o, wie herrlich ist die Welt!
Wenn Männer sich entzweien, hält man billig / den Klügsten für den Schuldigen.
Wenn nichts zu tun ist, habe ich nichts, was ich zwischen mein Verlangen zu Dir legen kann, als die Kunst.