Johann Wolfgang von Goethe

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Wenn noch die bornierte Masse höhere Menschen verfolgte! Nein! Ein Begabter und ein Talent verfolgt das andere. Platen ärgert Heine und Heine Platen, und jeder sucht den andern schlecht und verhaßt zu machen, da doch zu einem friedlichen Hinleben und Hinwirken die Welt groß und weit genug ist, und jeder schon an seinem eigenen Talent einen Feind hat, der ihm hinlänglich zu schaffen macht.

Wenn nun unser Schulunterricht immer auf das Altertum hinweist, das Studium der griechischen und lateinischen Sprache fördert, so können wir uns Glück wünschen, dass diese zu einer höheren Kultur so nötigen Studien niemals rückgängig werden.

Wenn sich die Sozietät des Rechtes begibt, die Todesstrafe zu verfügen, so tritt die Selbsthilfe unmittelbar wieder hervor. Die Blutrache klopft an die Tür.

Wenn sie einen brauchen und haben einem nichts zu befehlen, da sind die vornehmsten Leut just die artigsten.

Wenn sie mich an sich lockte, / war Rede nicht im Brauch, / und wie die Zunge stockte, / so stockt die Feder auch.

Wenn sie zusammensein mußten, so nahm man geschwind seine Zuflucht zur Musik, um alle zu verbinden, indem man jeden sich selbst wiedergab.

Wenn uns der Morgen nicht zu neuen Freuden weckt, am Abend uns keine Lust zu hoffen übrigbleibt, ist's wohl des An- und Ausziehens wert?

Wenn Verwandte / ums Mein und Dein gefühllos hadern, trifft / den Fremden, der sich eingemischt, der Haß / von beiden Teilen.

Wenn weise Männer nicht irrten, müßten die Narren verzweifeln.

Wenn wir andern Ehre geben, / müssen wir uns selbst entadeln.

Wenn wir einen Brief, den wir unter gewissen Umständen geschrieben und gesiegelt haben, der aber den Freund, an den er gerichtet war, nicht antrifft, sondern wieder zu uns zurückgebracht wird, nach einiger Zeit eröffnen, überfällt uns eine sonderbare Empfindung, indem wir unser eignes Siegel erbrechen und uns mit unserem veränderten Selbst wie mit einer dritten Person unterhalten.

Wenn wir immer ein offenes Herz hätten, das Gute zu genießen, das uns Gott für jeden Tag bereitet, wir würden alsdann auch Kraft genug haben, das Übel zu ertragen, wenn es kommt.

Wenn wir immer vorsichtig genug wären und uns mit Freunden nur von einer Seite verbänden. von der sie wirklich mit uns harmonieren, und ihr übriges Wesen weiter nicht in Anspruch nähmen, so würden die Freundschaften weit dauerhafter und ununterbrochener sein.

Wenn wir in raschen, mutigen Momenten / auf unsern Füßen stehen, strack und kühn, / als eigner Stütze froh uns selbst vertraun, / dann scheint uns Welt und Himmel zu gehören. / Doch was in Augenblicken der Entzückung / die Kniee beugt, ist auch ein süß Gefühl.

Wenn wir uns dem Altertum gegenüberstellen und es ernstlich in der Absicht anschauen, uns daran zu bilden, so gewinnen wir die Empfindung, als ob wir erst eigentlich zu Menschen würden.

Wenn wir, sagtest du, die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter. Wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.

Wenn's dem Körper übel geht, o wie bleibt die Seele so schön zu Hause und wartet und sorgt! Ihre Wünsche gehen kaum über eine Nacht, und ihre ganze Hoffnung ruht auf einem neuverschriebenen Rezepte.

Wenn's gut Aderlassen ist, gut Purgieren, gut Schröpfen, das steht im Kalender, und darnach weiß ich mich zu richten; aber wenn's just gut Rebellern sei, das, glaub ich, ist viel schwerer zu sagen.

Wer aber geliebt ist, hat leicht regieren.

Wer aber recht bequem ist und faul, / flög dem eine gebratne Taube ins Maul, / er würde höflich sich's verbitten, / wär sie nicht auch geschickt zerschnitten.

Wer alt mit Fürsten wird, lernt vieles, lernt / zu vielem schweigen.

Wer am Zoll sitzt, ohne reich zu werden, ist ein Pinsel.

Wer auf die Welt kommt, baut ein neues Haus. / Er geht und läßt es einem zweiten; / der wird sich's anders zubereiten, / und niemand baut es aus.

Wer aus Charakter oder Maxime beharrlich verneint, hat eine größere Gewalt, als man denkt.

Wer aus großen Absichten fehlgreift, / handelt immer lobenswürdiger, / als wer dasjenige tut, / was nur kleinen Absichten gemäß ist.

Wer befehlen soll, / muss im Befehlen Seligkeit empfinden.

Wer befehlen soll, / muß im Befehlen Seligkeit empfinden; / ihm ist die Brust von hohem Willen voll, / doch was er will, es darf's kein Mensch ergründen. / Was er den Treuesten in das Ohr geraunt, / es ist getan, und alle Welt erstaun. / So wird er stets der Allerhöchste sein, / der Würdigste!

Wer bei seinen Arbeiten nicht schon ganz seinen Lohn dahin hat, ehe das Werk öffentlich erscheint, der ist übel dran.

Wer besitzt, der muß gerüstet sein.

Wer darf ihn nennen / und wer bekennen: / Ich glaub Ihn! / Wer empfinden / und sich unterwinden / zu sagen: Ich glaub Ihn nicht! / Der Allumfasser, / der Allerhalter, / faßt und erhält Er nicht / dich, mich, sich selbst?

Wer das Dichten will verstehen, / muß ins Land der Dichtung gehen; / wer den Dichter will verstehen, / muß in Dichters Lande gehen.

Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande.

Wer das Falsche verteidigen will, hat alle Ursache, leise aufzutreten und sich zu einer feinen Lebensart zu bekennen. Wer das Recht auf seiner Seite fühlt, muß derb auftreten: Ein höfliches Recht will gar nichts heißen.

Wer das Geld bringt, kann die Ware nach seinem Sinn verlangen.

Wer das Vergangene kennte, der wüßte das Künftige. Beides / schließt an heute sich rein als ein Vollendetes an.

Wer der Dichtkunst Stimme nicht vernimmt, / ist ein Barbar, er sei auch, wer er sei.

Wer der Menschen töricht Treiben / täglich sieht und täglich schilt / und, wenn andre Narren bleiben, / selbst für einen Narren gilt, / der trägt schwerer als zur Mühle / irgendein beladen Tier.

Wer die Bitte bekümmerter Unschuld verachtet, wird einst selbst bitten und nicht erhört werden.

Wer die Gefahr nicht scheut, fürchtet / doch, verunziert zu werden. /

Wer die Gefahr verheimlicht, ist ein Feind.

Wer die Natur als göttliches Organ leugnen will, der leugne nur gleich alle Offenbarung!

Wer die Schönste für sich begehrt, / tüchtig vor allen Dingen / seh er nach Waffen weise sich um! / Schmeichelnd wohl gewann er sich, / was auf Erden das Höchste; / aber ruhig besitzt er's nicht: / Schleicher listig entschmeicheln sie ihm, / Räuber kühnlich entreißen sie ihm; / dieses zu hinderen, sei er bedacht!

Wer die Sterne fragt, was er tun soll, ist gewiss nicht klar über das, was zu tun ist.

Wer die Weiber haßt, ist im Grunde galanter gegen sie, als wer sie liebt; denn jener hält sich unüberwindlich, dieser hofft, noch mit ihnen fertig zu werden.

Wer edel ist, den suchet die Gefahr.

Wer ein Übel los sein will, der weiß immer, was er will. Wer was Besseres will, als er hat, der ist ganz starblind.

Wer ein Übel los sein will, / der weiß immer, was er will.

Wer einem Autor Dunkelheit vorwerfen will, sollte erst sein eigen Inneres beschauen, ob es denn da auch recht hell ist: in der Dämmerung wird eine sehr deutliche Schrift unlesbar.

Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen, / ein Werdender wird immer dankbar sein.

Wer fremde Sprache nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen.

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