Ich leid an neuer Liebe, längst verflossen, / beklage Seufzer, die schon lang verhallt.
Ich lernte, bängliches Erwägen / sei schläfrigen Verzugs bleierner Diener.
Ich mag nicht Freundlichkeit bei tückischem Gemüte.
Ich mag nicht gern Armseligkeit bedrückt, / Ergebenheit im Dienst erliegen sehn.
Ich muß dir sagen, Bursch, ich heiße Mann. Das ist ein Titel, zu dem das Alter dich nie bringen wird.
Ich muß mich ansehn wie eine Person, die ich noch gar nicht kenne; denn wahrhaftig, hätte er nicht eine Seite an mir entdeckt, von der ich selber gar nichts weiß, er hätte es nicht gewagt, mit solcher Wut zu entern.
Ich möchte lieber einen Narren halten, der mich lustig machte, als Erfahrung, die mich traurig macht.
Ich rede / von Träumern, Kindern eines müßigen Hirns, / von nichts als eitler Phantasie erzeugt, / die aus so dünnem Stoff als Luft besteht / und flücht'ger wechselt als der Wind, der bald / um die erfrorne Brust des Nordens buhlt / und schnell erzürnt, hinweg von dannen schnaubend, / die Stirn zum taubeträuften Süden kehrt.
Ich schlage beide Welten in die Schanze. / Mag kommen, was da kommt! Nur Rache will ich.
Ich schwör' es dir bei Amors stärkstem Boden, / bei seinem besten goldgespitzten Pfeil / und bei der Unschuld von Cytherens Tauben, / bei dem, was Seelen knüpft in Lieb und Glauben, / bei jenem Feu'r, wo Dido einst verbrannt, / als der Trojaner falsch sich ihr entwandt, / bei jedem Schwur, den Männer je gebrochen, / mehr an der Zahl, als Frauen je gesprochen.
Ich sehe auch, daß die Mode mehr Kleider aufträgt als der Mensch.
Ich trotze allen Vorbedeutungen: Es waltet eine besondere Vorsehung über den Fall eines Sperlings. Geschieht es jetzt, so geschieht es nicht in Zukunft; geschieht es in der Zukunft, so geschieht es jetzt; geschieht es jetzt nicht, so geschieht es doch einmal in Zukunft. Bereit sein ist alles.
Ich wage alles, was dem Menschen ziemt. / Wer mehr wagt, der ist keiner.
Ich werde umso schlechter von den fetten Mannsleiten denken, solange ich noch ein Auge habe, der Mannsbilder Gestalt zu unterscheiden.
Ich widersinniger Tropf, der nicht begriff, / zu welchem Zweck Musik uns ward gegeben! / Ist's nicht, des Menschen Seele zu erfrischen / nach ernstem Studium und der Arbeit Müh?
Ich will auf einen Spiegel was verwenden / und ein paar Dutzend Schneider unterhalten, / um Trachten auszusinnen, die mir steh'n. / Da ich bei mir in Gunst gekommen bin, / so will ich's mir auch etwas kosten lassen.
Ich will eher zwanzig treulose Turteltauben finden als einen züchtigen Mann.
Ich will mit eisenköpf'gen Narr'n verhandeln, / mit unbedachten Burschen. Keiner taugt mir, / der mich mit überlegtem Blick erspäht.
Ich will verzweifeln und will Feindschaft halten / mit falscher Hoffnung, dieser Schmeichlerin, / Schmarotzerin, Rückhalterin des Todes, / der sanft des Lebens Bande lösen möchte.
Ich wittre Unterhaltung bei ihr: Sie diskutiert, sie legt vor, sie schilt mit dem Seitenblick der Aufforderung: Ich konstruiere mir die Wendungen ihres vertraulichen Stils, und die schwierigste Passage ihres Betragens, in reines Englisch übersetzt lautet: Ich bin Sir John Falstaffs.
Ich wollte nun, du gingst, / doch weiter nicht, als wie ein tändelnd Mädchen / ihr Vögelchen der Hand entschlüpfen läßt, / gleich einem Armen in der Banden Druck, / und dann zurück ihn zieht am seidnen Faden. / So liebevoll mißgönnt sie ihm die Freiheit.
Ich wollte, es gäbe gar kein Alter zwischen zehn und dreiundzwanzig oder die jungen Leute verschliefen die ganze Zeit; denn dazwischen ist nichts, als den Dirnen Kinder schaffen, die Alten ärgern, stehlen und balgen.
Ich wollt`, es gäb` kein Alter zwischen 16 und 23, oder die jungen Leute würden`s überschlafen; denn dazwischen gibt`s nichts als Jungfern Kinder machen, dem Alter Schabernack antun, stehlen und raufen.
Ich wäre ein Kitzlein lieber und schrie Miau, / als einer von den Vers-Balladen-Krämern. / Ich hör' 'nen ehernen Leuchter lieber drehn / oder ein trocknes Rad die Achse kratzen.
Ich, roh geprägt, entblößt von Liebes-Majestät, / vor leicht sich dreh'nden Nymphen mich zu brüsten; / ich, um dies schöne Ebenmaß verkürzt, / von der Natur um Bildung falsch betrogen, / entstellt, verwahrlost, vor der Zeit gesandt / in diese Welt des Atmens, halb kaum fertig / gemacht, und zwar so lahm und ungeziemend, / daß Hunde bellen, hink' ich wo vorbei: / Ich nun, in dieser schlaffen Friedenszeit, / weiß keine Lust, die Zeit mir zu vertreiben, / als meinen Schatten in der Sonne spähn / und meine eigne Mißgestalt erörtern. / Und darum, weil ich nicht als ein Verliebter / kann kürzen diese fein beredten Tage, / bin ich gewillt, ein Bösewicht zu werden.
Ihr Götter leiht / uns Fehler, daß wir Menschen seien.
Ihr Götter! / Was flößt ihr Lieb' uns ein zu euern Gaben / und reißt sie stracks hinweg? Wir Sterbliche / nehmen Geschenktes nicht zurück und sind / ehrlicher drin als ihr.
Ihr habt die doppelte Vergoldung dieser Gelegenheit von der Zeit abwaschen lassen und seid in der Meinung des gnädigen Fräuleins nordwärts gesegelt, wo Ihr nun wie ein Eiszapfen am Bart eines Holländers hängen werdet.
Ihr habt etwas in euerem Wesen, das ich gern Herr nennen möchte.
Ihr Männer seid der Stamm, die Reben wir, / die unsre Schwäch' an eure Stärke ranken / und euch geteilte Kraft und Hülfe danken.
Ihr seid nicht gnädig, zeigt sich immer Huld: / Verzeihung ist nur Mutter neuer Schuld.
Ihr wollt auf mir spielen. Ihr stellt Euch, als kennet Ihr meine Griffe. Ihr wollt in das Herz meines Geheimnisses eindringen. Ihr wollt mich von meiner tiefsten Note bis zum Gipfel meiner Stimme hinauf prüfen: Und in dem kleinen Instrument hier ist viel Musik, eine vortreffliche Stimme, dennoch könnt Ihr es nicht zum Sprechen bringen. Wetter! denkt Ihr, daß ich leichter zu spielen bin als eine Flöte? Nennt mich, was für ein Instrument Ihr wollt: Ihr könnt mich zwar verstimmen, aber nicht auf mir spielen.
Im Elend bleibt kein anderes Heilungsmittel / als Hoffnung nur.
Im Fall der Gegenwehr ist es am besten, / den Feind für mächtiger halten, als er scheint.
Im Frieden kann so wohl nichts einen Mann / als Demut und bescheidne Stille kleiden.
Im Gift ist Arzenei, und diese Zeitung, / die, wär' ich wohl, mich hätte krank gemacht, / macht, da ich krank bin, mich beinah gesund. / Und wie der Arme, fieberschwach von Gliedern, / die wie gelähmte Angeln von der Last / des Lebens niederhängen, aufgepeitscht / vom Anfall, wie ein Feuer aus den Armen / der Wächter bricht: So sind auch meine Glieder, / geschwächt vom Leid und wütend nun vor Leid, / dreimal sie selbst.
Im Haus der Tränen lächelt Venus nicht.
Im hohlen Zirkel, / der eines Königs sterblich Haupt umgibt, / hält seinen Hof der Tod: Da sitzt der Schalksnarr, / höhnt seinen Staat und grinst zu seinem Pomp, / läßt ihn ein Weilchen, einen kleinen Auftritt / den Herrscher spielen, drohn, mit Blicken töten, / flößt einen eitlen Selbstbetrug ihm ein, / als wär' dies Fleisch, das unser Leben einschanzt, / unüberwindlich Erz. Und, so gelaunt, / kommt er zuletzt und bohrt mit kleiner Nadel / die Burgmau'r an.
Im Überfluß zu sündigen, ist schlimmer / als Lüg' aus Not, und Falscheit zeigt sich böser / im König als im Bettler.
Immer ist die Albernheit des Narren der Schleifstein der Witzigen.
In den verderbten Strömen dieser Welt / kann die vergoldete Hand der Missetat / das Recht wegstoßen, und ein schnöder Preis / erkauft oft das Gesetz. Nicht so dort oben! / Da gilt kein Kunstgriff, da erscheint die Handlung / in ihrer wahren Art, und wir sind selbst / genötigt, unsern Fehlern in die Zähne / ein Zeugnis abzulegen.
In der Ferne lebend, / ergaben wir uns wilder Ausschweifung, / wie Menschen immer es zu halten pflegen, / daß sie am lustigsten vom Hause sind.
In der Früh' und frischem Tau der Jugend / ist gift'ger Anhauch am gefährlichsten.
In der Hitze flucht dem besten Kampf, wer seine Schäfte fühlte.
In einer schlechten Sache hat man keinen rechten Mut.
In ihren Augen schmeichelnd abgespiegelt! / In finstern Runzeln ihrer Stirn gehängt! / Im Herzen ihr gefesselt und verriegelt! / So rühmt er sich, von Liebespein bedrängt. / Nur schade, daß, wo Huld und Schönheit thront, / gehängt, gefesselt, solch ein Tölpel wohnt.
In jungen Tagen ich lieben tät, / das dünkte mir so süß. / Die Zeit zu verbringen, ach früh und / spät, behagte mir nicht wie dies. / Doch Alter mit dem schleichenden Tritt / hat mich gepackt mit der Faust / und hat mich weg aus dem Lande geschifft, / als hätt' ich da nimmer gehaust.
In Laster wandelt sich selbst Tugend, falsch geübt, / wie Ausführung auch wohl dem Laster Würde gibt.
In meiner Schulzeit, wenn ich einen Bolzen / verloren hatte, schoß ich seinen Bruder / von gleichem Schlag den gleichen Weg. Ich gab / nur besser acht, um jenen aufzufinden, / und, beide wagend, fand ich beide oft.
In Ohnmacht unterlassen das Notwendige, / heißt eine Vollmacht zeichnen der Gefahr.