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Franz Kafka

österreichischer Schriftsteller (1883 - 1924)

71 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

  • Liebe ist alles was unser Leben steigert, erweitert, bereichert. Nach allen Höhen und Tiefen. Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.

  • Prag läßt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen.

  • Es gibt zwei menschliche Hauptsünden, aus welchen sich alle anderen ableiten: Ungeduld und Lässigkeit. Wegen der Ungeduld sind die Menschen aus dem Paradiese vertrieben worden, und wegen der Lässigkeit kehren sie nicht zurück.

  • Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.

  • Ich kann wieder ein Zwiegespräch mit mir führen und starre nicht so in vollständige Leere. Nur auf diesem Wege gibt es für mich eine Besserung.

  • Die Fessel der gequälten Menschheit sind aus Kanzleipapier.

  • Juden und Deutsche haben vieles gemeinsam. Sie sind strebsam, tüchtig, fleißig und gründlich verhaßt bei den anderen. Juden und Deutsche sind Ausgestoßene.

  • Der Messias wird erst kommen, wenn er nicht mehr nötig sein wird.

  • Die verbitterten Gesichtszüge eines Mannes sind oft nur die festgefrorene Verwirrung eines Knaben.

  • Nicht jeder kann die Wahrheit sehen, aber jeder kann die Wahrheit sein.

  • Die Demut gibt jedem, auch dem einsam Verzweifelnden, das stärkste Verhältnis zum Mitmenschen, und zwar sofort, allerdings nur bei völliger und dauernder Demut. Sie kann das deshalb, weil sie die wahre Gebetsprache ist, gleichzeitig Anbetung und festeste Verbindung.

  • Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden.

  • Im Kampf zwischen dir und der Welt sekundiere der Welt.

  • Was ich geleistet habe, ist nur ein Erfolg des Alleinseins.

  • Die Angst vor der Verbindung, dem Hinüberfließen. Dann bin ich nicht mehr allein.

  • Das Glück begreifen, daß der Boden, auf dem du stehst, nicht größer sein kann, als die zwei Füße ihn bedecken.

  • Die sinnliche Liebe täuscht über die himmlische hinweg; allein könnte sie es nicht, aber da sie das Element der himmlischen Liebe unbewußt in sich hat, kann sie es.

  • Nur unser Zeitbegriff läßt uns das Jüngste Gericht so nennen, eigentlich ist es ein Standrecht.

  • Wahrheit ist unteilbar, kann sich also selbst nicht erkennen; wer sie erkennen will, muß Lüge sein.

  • Der Geist wird erst frei, wenn er aufhört, Halt zu sein.

  • Du kannst dich zurückhalten von den Leiden der Welt, das ist dir freigestellt und entspricht deiner Natur, aber vielleicht ist gerade dieses Zurückhalten das einzige Leid, das du vermeiden könntest.

  • Wie ein Weg im Herbst: Kaum ist er rein gekehrt, bedeckt er sich wieder mit den trockenen Blättern.

  • Das Böse ist manchmal in der Hand wie ein Werkzeug, erkannt oder unerkannt läßt es sich, wenn man den Willen hat, ohne Widerspruch zur Seite legen.

  • Auch ist das vielleicht nicht eigentlich Liebe, wenn ich sage, dass Du mir das Liebste bist; Liebe ist, dass Du mir das Messer bist, mit dem ich in mir wühle.

  • Laß dich vom Bösen nicht glauben machen, du könntest vor ihm Geheimnisse haben.

  • Allein sein bringt nur Strafen.

  • Verkehr mit Menschen verführt zur Selbstbeobachtung.

  • Das Verführungsmittel dieser Welt sowie das Zeichen der Bürgschaft dafür, daß diese Weit nur ein Übergang ist, ist das gleiche. Mit Recht, denn nur so kann uns diese Welt verführen und es entspricht der Wahrheit. Das Schlimmste ist aber, daß wir nach geglückter Verführung die Bürgschaft vergessen und so eigentlich das Gute uns ins Böse, der Blick der Frau in ihr Bett gelockt hat.

  • Du bist die Aufgabe. Kein Schüler weit und breit.

  • Man lügt möglichst wenig, nur wenn man möglichst wenig lügt, nicht wenn man möglichst wenig Gelegenheit dazu hat.

  • Wer innerhalb der Welt seinen Nächsten liebt, tut nicht mehr und nicht weniger Unrecht, als wer innerhalb der Welt sich selbst liebt. Es bliebe nur die Frage, ob das erstere möglich ist.

  • Das Böse ist eine Ausstrahlung des menschlichen Bewußtseins in bestimmten Übergangsstellungen. Nicht eigentlich die sinnliche Welt ist Schein, sondern ihr Böses, das allerdings für unsere Augen die sinnliche Welt bildet.

  • Vom wahren Gegner fährt grenzenloser Mut in dich.

  • Das Gute ist in gewissem Sinne trostlos.

  • Was für eine Zauberei darin liegt, wenn einer alten Frau unter das Kinn gegriffen wird.

  • Ein Glaube wie ein Fallbeil, so schwer, so leicht.

  • Eines der wirksamsten Verführungsmittel des Bösen ist die Aufforderung zum Kampf. Er ist wie der Kampf mit Frauen, der im Bett endet.

  • Diese empörenden Ärzte! Geschäftlich entschlossen und in der Heilung so unwissend, dass sie, wenn jene geschäftliche Entschlossenheit entfiele, wie Schuljungen vor den Krankenbetten stünden.

  • Wie kann man sich über die Welt freuen, außer wenn man zu ihr flüchtet?

  • Dem Bösen kann man nicht in Raten zahlen – und versucht es unaufhörlich.

  • Es gibt kein Haben, nur ein Sein, nur ein nach letztem Atem, nach Ersticken verlangendes Sein.

  • Das Wort »sein« bedeutet im Deutschen beides: Dasein und Ihmgehören.

  • Das Negative zu tun, ist uns noch auferlegt; das Positive ist uns schon gegeben.

  • Die Sünde kommt immer offen und ist mit den Sinnen gleich zu fassen. Sie geht auf ihren Wurzeln und muß nicht ausgerissen werden.

  • Wenn man einmal das Böse bei sich aufgenommen hat, verlangt es nicht mehr, daß man ihm glaube.

  • Das Mißverhältnis der Welt scheint tröstlicherweise nur ein zahlenmäßiges zu sein.

  • Wenn es möglich gewesen wäre, den Turm von Babel zu erbauen, ohne ihn zu erklettern, es wäre erlaubt worden.

  • An Fortschritt glauben heißt nicht glauben, daß ein Fortschritt schon geschehen ist. Das wäre kein Glauben.

  • Der Weg ist unendlich, da ist nichts abzuziehen, nichts zuzugeben und doch hält jeder noch seine eigene kindliche Elle daran.

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