Johann Wolfgang von Goethe

3.067 Zitate, Sprüche & Aphorismen Autor

Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt; / und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.

Ich liebe die Rose als das Vollkommenste, was unsere deutsche Natur als Blume gewähren kann.

Ich liebe mir den heitern Mann / am meisten unter meinen Gästen: / Wer sich nicht selbst zum besten haben kann, / der ist gewiß nicht von den Besten.

Ich mag lieber leiden, daß man lehrreich spottet, als daß man unfruchtbar lobt.

Ich merke wohl: Es steckt der Irrtum an.

Ich möchte keineswegs das Glück entbehren, an eine künftige Fortdauer zu glauben, ja, ich möchte mit Lorenzo von Medici sagen, daß alle diejenigen auch für dieses Leben tot sind, die kein anderes hoffen.

Ich möchte mir oft die Brust zerreißen und das Gehirn einstoßen, daß man einander so wenig sein kann.

Ich sah, daß den meisten die Wissenschaft nur etwas ist, insofern sie davon leben, und daß sie sogar den Irrtum vergöttern, wenn sie davon ihre Existenz haben.

Ich schrieb meinen Götz von Berlichingen als junger Mensch von zweiundzwanzig und erstaunte zehn Jahre später über die Wahrheit meiner Darstellung. Erlebt und gesehen hatte ich bekanntlich dergleichen nicht, und ich mußte also die Kenntnis mannigfaltiger menschlicher Zustände durch Antizipation besitzen.

Ich singe wie der Vogel singt, der in den Zweigen wohnt.

Ich singe, wie der Vogel singt, / der in den Zweigen wohnet. / Das Lied, das aus der Kehle dringt, / ist Lohn, der reichlich lohnet.

Ich stehe immer wie über einem Schachspiele und halte keinen Zug des Gegners für unbedeutend.

Ich verfluche allen negativen Purismus, daß man ein Wort nicht brauchen soll, in welchem eine andere Sprache Vieles oder Zarteres erfaßt hat.

Ich verwünsche das Tägliche, weil es immer absurd ist. Nur was wir durch mögliche Anstrengung ihm übergewinnen, lässt sich wohl einmal summieren.

Ich verzeihe dem Schauspieler jeden Fehler, der aus dem Selbstbetrug und aus der Begierde zu gefallen entspringt; denn wenn er sich und andern nicht etwas scheint, so ist er nichts

Ich war, fuhr sie fort, eine der Furchtsamsten, und indem ich mich herzhaft stellte, um den andern Mut zu geben, bin ich mutig geworden.

Ich weiß von alters her, daß man entfernten Freunden gar nicht schreibt, wenn man darauf warten will, bis man ihnen etwas zu schreiben hat.

Ich weiß wohl, daß man dem das Mögliche nicht dankt, von dem man das Unmögliche gefordert hat.

Ich weiß, daß mir nichts angehört / als der Gedanke, der ungestört / aus meiner Seele will fließen, / und jeder günstige Augenblick, / den mich ein liebendes Geschick / von Grund aus läßt genießen.

Ich weiß, wem euer Stolz beim Tanz den Vorzug gibt, / dem, der mit Anmut tanzt, und nicht dem, den ihr liebt.

Ich will euch keine Schmerzen, sondern Freuden, keine dunkle, sondern klare Begriffe mitbringen, euch nicht nur sagen "Ich hab es gesehn", sondern es euch sehen machen.

Ich will, solang ich hier bin, die Augen auftun, bescheiden sehen und erwarten, was sich mir in der Seele bildet.

Ich wünsche mir eine hübsche Frau, / Die nicht alles nähme gar zu genau, / Doch aber zugleich / am besten verstände, / Wie ich mich selbst / am besten befände.

Ich wünsche, daß du durch Tätigkeit dein inneres, sowie durch Belohnung und Anerkennung derselben dein äußeres Glück gründen und erreichen mögest.

Ich würde Sie dringender einladen, wenn ich mir nicht allzusehr bewußt wäre, daß wir in dem Herbst und Winter des Lebens starrer und schroffer werden als billig ist: die Wirkung dieser Eigenschaften wird durch guten Willen, am besten aber durch Entfernung gemildert.

Ich wüßte nicht, wessen Geist ausgebreiteter wäre, ausgebreiteter sein müßte als der Geist eines echten Handelsmannes.

Ich zweifle nicht an unserer Fortdauer; denn die Natur kann die Entelechie nicht entbehren.

Ich, Egoist! Wenn ich's nicht besser wüßte! / Der Neid, das ist Egoiste, / und was ich auch für Wege geloffen, / auf'm Neidpfad habt ihr mich nie betroffen.

Ihr andern liebt meistenteils an den Männern, was Männer an sich untereinander nicht leiden können.

Ihr bleibt bei meinem Worte kalt, / Euch guten Kindern lass ich's gehen; / Bedenkt: der Teufel, der ist alt, / So werdet alt, ihn zu verstehen!

Ihr Eifersüchtigen! die ihr ein Mädchen plagt, / denkt euren Streichen nach, dann habt das Herz und klagt!

Ihr glücklichen Augen, / Was je ihr gesehn, / Es sei, wie es wolle, / Es war doch so schön!

Ihr könnt so ehrlich tun. Man glaubt euch wohl auf's Wort, / ihr Männer! Auf einmal führt euch der Henker fort. / Wenn's was zu naschen gibt, so sind wir all beim Schmause, / doch macht ein Mädgen ernst, da ist kein Mensch zu Hause.

Ihr laßt nicht nach, ihr bleibt dabei, / begehret Rat, ich kann ihn geben; / allein, damit ich ruhig sei, / versprecht mir, ihm nicht nachzuleben!

Ihr nennt mich einen kargen Mann? / Gebt mir, was ich verprassen kann!

Ihr sagt, das Sujet tauge nicht, aber ihr hättet es ignoriert und euch an der trefflichen Musik erfreuet. Ich bewundere wirklich die Einrichtung eurer Natur und wie eure Ohren imstande sind, anmutigen Tönen zu lauschen, während der gewaltigste Sinn, das Auge, von den absurdesten Gegenständen geplagt wird.

Ihr seid glücklich und froh, wie sollt' ein Scherz euch verwunden! / Doch der Krankende fühlt auch schmerzlich die leise Berührung.

Ihr seid ja heut wie nasses Stroh / Und brennt sonst immer lichterloh.

Ihr seid nicht ausgeartet meine Kinder! / Seid arbeitsam und faul / und grausam mild, / freigiebig geizig! / Gleichet alle euern Schicksals Brüdern, / gleichet den Tieren und den Göttern.

Ihr strebt nach fernen Gütern, / und euer Streben muß gewaltsam sein. / Ihr wagt es, für die Ewigkeit zu handeln, / wenn wir ein einzig nah beschränktes Gut / auf dieser Erde nur besitzen möchten / und wünschen, daß es uns beständig bliebe.

Ihr sucht die Menschen zu benennen / und glaubt am Namen sie zu kennen. / Wer tiefer sieht, gesteht sich frei, / es ist was Anonymes dabei.

Ihr wisst, auf unsern deutschen Bühnen / Probiert ein jeder, was er mag.

Ihre Kleider ziemten ihr; sie umhüllten jedes Glied, ohne es zu zwängen, und die reichlichen Falten des Stoffes wie derholten, wie ein tausendfaches Echo, die reizenden Bewegungen.

Ihren Unterricht in der Philosophie beginnen die Mohammedaner mit der Lehre, daß nichts existiere, wovon sich nicht das Gegenteil sagen lasse; und so üben sie den Geist der Jugend, indem sie ihre Aufgaben darin bestehen lassen, von jeder aufgestellten Behauptung die entgegengesetzte Meinung zu finden und auszusprechen, woraus eine große Gewandtheit im Denken und Reden hervorgehen muß. Nun aber, nachdem von jedem aufgestellten Satze das Gegenteil behauptet worden, entsteht der Zweifel, welches denn von beiden das eigentlich Wahre sei. Im Zweifel aber ist kein Verharren, sondern er treibt den Geist zu näherer Untersuchung und Prüfung, woraus denn, wenn diese auf eine vollkommene Weise geschieht, die Gewißheit hervorgeht.

Ihrer sechzig hat die Stunde, / über tausend hat der Tag. / Söhnchen, werde Dir die Kunde, / was man alles leisten mag!

Im Alter schläft man eigentlich nicht. Der Schlaf zieht sich nur über die Gegenstände des Tages wie eine Art von Flor und läßt sie durchscheinen.

Im Anfang war die Tat!

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: / Die Luft einziehen, sich ihrer entladen; / jenes bedrängt, dieses erfrischt; / so wunderbar ist das Leben gemischt. / Du danke Gott, wenn er dich preßt, / und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt!

Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist.

Im Dorfe war ein groß Gelag, / man sagt', es sei ein Hochzeitstag. / Ich zwängte mich in den Schenken-Saal, / da drehten die Pärchen allzumal, / ein jedes Mädchen mit seinem Wicht; / da gab es manch verliebt Gesicht. / Nun fragt ich endlich nach der Braut - / mir einer starr ins Angesicht schaut: / "Das mögt Ihr von einem andern hören. / Wir aber tanzen ihr zu Ehren, / wir tanzen schon drei Tag und Nacht, / und hat noch niemand an sie gedacht."

 Top