Johann Wolfgang von Goethe

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Wie atmet rings Gefühl der Stille, / Der Ordnung, der Zufriedenheit!

Wie begrüßt ich so oft mit Staunen die Fluten des Rheinstroms, / wenn ich, reisend nach meinem Geschäft, ihm wieder mich nahte! / Immer schien er mir groß und erhob mir Sinn und Gemüte.

Wie das Gestirn, / ohne Hast / aber ohne Rast, / drehe sich jeder / um die eigne Last

Wie das Weib dem Mann gegeben / als die schönste Hälfte war, / ist die Nacht das halbe Leben / und die schönste Hälfte zwar. / Könnt ihr euch des Tages freuen, / der nur Freuden unterbricht? / Er ist gut, sich zu zerstreuen, / zu was anderm taugt er nicht.

Wie der Adel, so bilden auch die Frommen eine gewisse Aristokratie.

Wie der Mensch das Pfuschen so liebt! Fast glaub ich dem Mythus, / der mir erzählet, ich sei selbst ein verpfuschtes Geschöpf.

Wie der nur ein guter Vater ist, der bei Tische erst seinen Kindern vorlegt, so ist der nur ein guter Bürger, der vor allen andern Ausgaben das, was er dem Staate zu entrichten hat, zurücklegt.

Wie du zum ersten Male mir erschienen, / erscheinst du bleibend mir, ein Gegenstand / der Neigung, der Verehrung. Deinetwillen / wünsch ich zu leben, du gebietest mir. / Und wenn der Priester sich, sein Leben lang, / der unsichtbaren Gottheit niederbeugt, / die im beglückten Augenblick vor ihm / als höchstes Musterbild vorüberging, / so soll von deinem Dienste mich fortan, / wie du dich auch verhüllest, nichts zerstreun.

Wie ein Kind, umwunden von der Schlange, des erquickenden Schlafs genießt, so legt der Müde sich noch einmal vor der Pforte des Todes nieder und ruht tief aus, als ob er einen weiten Weg zu wandern hätte.

Wie es auch sei, das Leben, es ist gut.

Wie es vor alten Zeiten, da die Menschen an der Erde lagen, eine Wohltat war, ihnen auf den Himmel zu deuten und sie auf's Geistige aufmerksam zu machen, so ist's jetzt eine größere, sie nach der Erde zurückzuführen.

Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, / wenn man ihn wohl zu pflegen weiß.

Wie gar manches in der Welt einen umgekehrten Gang nimmt, so häufen sich die Forderungen, die an uns geschehen, mit dem Alter, das uns, ihnen genug zu tun, unfähiger macht.

Wie gerne säh ich jeden stolzieren, / könnt er das Pfauenrad vollführen.

Wie glücklich würde sich der Affe schätzen, / könnt er nur auch ins Lotto setzen!

Wie ich denn mit honnetten Mädchen am ungernsten zu tun habe. Ausgeredet hat man bald mit ihnen, hernach schleppt man sich eine Zeitlang herum, und kaum sind sie ein bißchen warm bei einem, hat sie der Teufel gleich mit Heiratsgedanken und Heiratsvorschlägen, die ich fürchte wie die Pest.

Wie ich die Menschen sehe, scheint mir in ihrer Natur immer eine Lücke zu bleiben, die nur durch ein entschieden ausgesprochenes Gesetz ausgefüllt werden kann.

Wie kann der Charakter, die Eigentümlichkeit des Menschen, mit der Lebensart bestehen? Das Eigentümliche müsste mit der Lebensart erst recht hervorgehoben werden.

Wie kann der Priester segnen, wenn das Ja / der holden Braut nicht aus dem Herzen quillt. / Er soll nicht Widerwärtges aneinander / zu immer neu erzeugtem Streite ketten.

Wie kann der Priester / segnen, wenn das Ja / Der holden Braut nicht / aus dem Herzen quillt.

Wie kann ein junger Mann sich bilden, der nicht eitel ist? Eine leere, hohle Natur wird sich wenigstens einen äußern Schein zu geben wissen, und der tüchtige Mensch wird sich bald von außen nach innen bilden.

Wie kann man sich selbst kennenlernen? Durch Betrachten niemals, wohl aber durch Handeln. Versuche, deine Pflicht zu tun, und du weißt gleich, was an dir ist!

Wie leicht der Jüngling schwere Lasten trägt / und Fehler wie den Staub vom Kleide schüttelt!

Wie leicht wird's sein, dich zu entzünden, / da du so unerfahren bist? / Die Liebe sollst du bald empfinden / und sollst nicht wissen, daß sie's ist.

Wie lustig ist's, sich um sich selbst zu drehn! / Mit leichtem Anstand wechseln sie die Glieder, / doch kehrt zum Auge bald das Auge wieder.

Wie magst du ruhig fort erfahren, / daß sie dich schelten? / Ich rede zu! In fünfzig Jahren / wird es schon gelten.

Wie man aus Gewohnheit nach einer abgelaufenen Uhr hinsieht, als wenn sie noch ginge, so blickt man auch wohl einer Schönen ins Gesicht, als wenn sie noch liebte.

Wie man den König an dem Übermaß der Gaben kennt - denn ihm muß wenig scheinen, / was Tausenden schon Reichtum ist - so kennt / man euch, ihr Götter, an gesparten, lang / und weise zubereiteten Geschenken.

Wie man ein Liebesabenteuer treibt: / Zufällig naht man sich, / man fühlt, man bleibt, / Und nach und nach / wird man verflochten.

Wie man von jedem Musikus verlange, daß er, bis auf einen gewissen Grad, vom Blatte spielen könne, so solle auch jeder Schauspieler, ja jeder wohlerzogene Mensch sich üben, vom Blatte zu lesen, einem Drama, einem Gedicht, einer Erzählung sogleich ihren Charakter abzugewinnen.

Wie mancher hat nicht seine Braut / Belogen und betrogen!

Wie Natur im Vielgebilde / einen Gott nur offenbart, / so im weiten Kunstgefilde / webt ein Sinn der ewgen Art; / dieses ist der Sinn der Wahrheit, / der sich nur mit Schönem schmückt, / und getrost der höchsten Klarheit / hellsten Tags entgegenblickt.

Wie oft werden wir von einem scharf ins Auge gefaßten Ziel abgelenkt, um ein höheres zu erreichen! Der Reisende bricht unterwegs zu seinem höchsten Verdruß ein Rad und gelangt durch diesen unangenehmen Zufall zu den erfreulichsten Bekanntschaften und Verbindungen, die auf sein ganzes Leben Einfluß haben. Das Schicksal gewährt uns unsere Wünsche, aber auf seine Weise.

Wie schwer ist es, was so natürlich scheint, eine gute Statue, ein treffliches Gemälde an und für sich zu beschauen, den Gesang um des Gesangs willen zu vernehmen, den Schauspieler im Schauspiel zu bewundern, sich eines Gebäudes um seiner eigenen Harmonie und seiner Dauer willen zu erfreuen.

Wie sehr hütete man sich sonst in der Gesellschaft, irgend etwas zu berühren, was einem oder dem andern unangenehm sein konnte! Der Protestant vermied in Gegenwart des Katholiken, irgendeine Zeremonie lächerlich zu finden, der eifrigste Katholik ließ den Protestanten nicht merken, daß die alte Religion eine größere Sicherheit ewiger Seligkeit gewähre. Man unterließ vor den Augen einer Mutter, die ihren Sohn verloren hatte, sich seiner Kinder lebhaft zu freuen, und jeder fühlte sich verlegen, wenn ihm ein solches unbedachtsames Wort entwischt war.

Wie selten ist der Mensch mit dem Zustande zufrieden, in dem er sich befindet! Er wünscht sich immer den seines Nächsten, aus welchem sich dieser ebenfalls heraussehnt.

Wie selten kommt ein König zu Verstand. Und sollen sich viele nicht lieber vielen vertrauen als einem?

Wie sich Verdienst und Glück verketten, / das fällt den Toren niemals ein. / Wenn sie den Stein der Weisen hätten, / der Weise mangelte dem Stein.

Wie sie klingeln, die Pfaffen! Wie angelegen sie's machen, / daß man komme, nur ja plappre wie gestern so heut! / Scheltet mir nicht die Pfaffen! Sie kennen des Menschen Bedürfnis; / denn wie ist er beglückt, plappert er morgen wie heut!

Wie soll einer (Victor Hugo) nicht schlechter werden und das schönste Talent zugrunderichten, wenn er die Verwegenheit hat, in einem einzigen Jahre zwei Tragödien und einen Roman zu schreiben, und ferner, wenn er nur zu arbeiten scheint, um ungeheure Geldsummen zusammenzuschlagen.

Wie soll einer gegen andere Wohlwollen empfinden und ausüben, wenn es ihm selber nicht wohl ist?

Wie soll ich fliehen? / Wälderwärts ziehen? / Alles vergebens! / Krone des Lebens, / Glück ohne Ruh, / Liebe, bist du!

Wie tröstlich ist es, einem Freunde, der auf eine kurze Zeit verreisen will, / ein klein Geschenk zu geben, sei es nur ein neuer Mantel oder eine Waffe!

Wie unbedeutend erscheint dem Menschen in leidenschaftlichen Augenblikken alles, was ihn umgibt!

Wie uns eine Gegend reizender, ja allein reizend vorkommt, wenn sie von der Sonne beschienen wird, so war auch alles in seinen Augen verschönert und verherrlicht. was sie umgab, was sie berührte.

Wie unterscheidet sich Grobheit von Biederkeit? Leichtlich, denn jener fehlen die Grazien stets, diese verlassen sie nie.

Wie viel glücklicher war es, mich in ein Verhältnis gesetzt zu sehen, dem ich von keiner Seite gewachsen war, wo ich durch manche Fehler des Unbegriffs und der Übereilung mich und andere kennen zu lernen Gelegenheit genug hatte, wo ich, mir selbst und dem Schicksal überlassen, durch so viele Prüfungen ging.

Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unsers Schicksals leichtem Wagen durch; und uns bleibt nichts, als mutig gefaßt die Zügel festzuhalten und bald rechts, bald links, vom Steine hier, vom Sturze da, die Räder wegzulenken. Wohin es geht, wer weiß es? Erinnert er sich doch kaum, woher er kam.

Wie wohl ist mir's, daß mein Herz die simple harmlose Wonne des Menschen fühlen kann, der ein Krauthaupt auf seinen Tisch bringt, das er selbst gezogen, und nun nicht den Kohl allein, sondern all die guten Tage, den schönen Morgen, da er ihn pflanzte, die lieblichen Abende, da er ihn begoß und da er an dem fortschreitenden Wachstum seine Freude hatte, alle in einem Augenblicke wieder mitgenießt.

Wie wollte einer als Meister in seinem Fach erscheinen, wenn er nichts Unnützes lehrte!

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