Elender ist nichts als der behagliche Mensch ohne Arbeit, das Schönste der Gaben wird ihm Ekel.
Empfangt das Schöne, fühlt zugleich das Gute, / eins mit dem andern wird euch einverleibt; / das Schöne flieht vielleicht, das Gute bleibt. / So nach und nach erblühet, leise, leise, Gefühl und Urteil wirkend wechselweise; / in euerm Innern schlichtet sich der Streit, / und der Geschmack erzeugt Gerechtigkeit.
Enthusiasmus suchst du bei den deutschen Lesern? Du Armer, / glücklich, könntest du auch rechnen auf Höflichkeit nur.
Enthusiasmus vergleich ich gern / der Auster, meine lieben Herrn, / die, wenn ihr sie nicht frisch genoßt, / wahrhaftig ist eine schlechte Kost. / Begeisterung ist keine Heringsware, / die man einpökelt auf einige Jahre.
Entschiedenheit und Folge sind nach meiner Meinung das Verehrungswürdigste am Menschen. Man kann die Ware und das Geld nicht zugleich haben.
Entzwei' und gebiete! Tüchtig Wort; / Verein' und leite! Bessrer Hort.
Er begriff, daß ein junges Weib nicht wie Juwelen und Perlen verwahrt werden könne; er wußte, daß sie vielmehr einem Garten voll schöner Früchte gleicht, die für jedermann so wie für den Herrn verloren wären, wenn er eigensinnig die Türe auf einige Jahre verschließen wollte.
Er behandelte die Angelegenheit auf seine Weise und gab zu bedenken, daß für einen Mann in gewissen Jahren das sicherste kosmetische Mittel sei, sich des schönen Geschlechts zu enthalten.
Er behauptete, nur ein seltsames Vergnügen könne bei den Menschen einen Wert haben; Kinder und Alte wüßten nicht zu schätzen, was ihnen Gutes täglich begegnete.
Er ehrt die Wissenschaft, sofern sie nutzt / den Staat regieren, Völker kennen lehrt; / er schätzt die Kunst, sofern sie ziert, sein Rom / verherrlicht und Palast und Tempel / zu Wunderwerken dieser Erde macht. / In seiner Nähe darf nichts müßig sein!
Er fühlte tief, wie unempfindlich man oft Freunde und Verwandte, so lange sie sich mit uns des irdischen Aufenthaltes erfreuen, vernachlässigt und nur dann erst die Versäumnis bereut, wenn das schöne Verhältnis wenigstens für diesmal aufgehoben ist.
Er für seine Person würde gern mehr Sorgfalt auf das Äußere verwenden, wenn nur nicht gleich die Menschen einen jeden, dem sie ein solches Bestreben anmerken, für eitel erklärten und ihm dadurch sogleich wieder an der sittlichen Achtung entzögen, was sie sich genötigt fühlten, an der sinnlichen ihm zuzugestehen.
Er glänzt vor uns, wie ein Komet entschwindend, / unendlich Licht mit seinem Licht verbindend.
Er hatte zu wenig Kenntnis der Welt, um zu wissen, daß eben ganz leichtsinnige und der Besserung unfähige Menschen sich oft am lebhaftesten anklagen, ihre Fehler mit großer Freimütigkeit bekennen und bereuen, ob sie gleich nicht die mindeste Kraft in sich haben, von dem Wege zurückzutreten, auf den eine übermächtige Natur sie hinreißt.
Er ist ein ganz erbärmlicher Mensch, / ein Schelm und überdies ein Narr, / so recht ein Kerl, / von dem die Leute gerne glauben, / es stecke etwas hinter ihm verborgen.
Er ist ein heller Geist und also ungläubig.
Er ist ein Mathematiker und also hartnäckig.
Er ist unglücklicherweise von jenen Liebhabern, die nichts als ihr Herz bringen, und eben diese haben die meisten Prätensionen.
Er las eine Folge echter Märchen, die den Menschen aus sich selbst hinausführen, seinen Wünschen schmeicheln und ihn jede Bedingung vergessen machen, zwischen welche wir, selbst in den glücklichsten Momenten, doch immer noch eingeklemmt sind.
Er liebte die Musik sehr und behauptete, daß ein Schauspieler ohne diese Liebe niemals zu einem deutlichen Begriff und Gefühl seiner eigenen Kunst gelangen könne.
Er machte es wie alle Männer, spottete über gelehrte Frauen und bildete unaufhörlich an mir.
Er scheint mir einer von den Menschen zu sein, die einen guten moralischen Magen haben, um an dem großen Welttische immer mitgenießen zu können.
Er sieht, daß Du gehorchst, drum liebt Dich der Tyrann, / damit er jemand hat, dem er befehlen kann.
Er sieht, daß Du nichts mehr als ihn auf Erden liebst, / und zweifelt nur, weil Du ihm nichts zu zweifeln gibst.
Er streckte / schon als Knabe die Hände nicht aus nach diesem und jenem. / Was er begehrte, das war ihm gemäß.
Er suchte sich durch eine Art von Humor zu helfen, der aber, weil er ohne Liebe war, auch der gewohnten Anmut ermangelte.
Er war am Ende doch ein Deutscher, und diese Nation gibt sich gern Rechenschaft von dem, was sie tut.
Er will mein Leben und mein Glück und fühlt nicht, daß der schon tot ist, der um seiner Sicherheit willen lebt.
Erfahrung bleibt des Lebens Meisterin.
Erfahrung bleibt die beste Wünschelrute.
Erfahrung kann sich ins Unendliche erweitern, Theorie nicht in eben dem Sinne reinigen und vollkommener werden. Jener steht das Universum nach allen Richtungen offen, diese bleibt innerhalb der Grenze der menschlichen Fähigkeiten eingeschlossen. Deshalb müssen alle Vorstellungsarten wiederkehren und der wunderliche Fall tritt ein, daß bei erweiterter Erfahrung eine bornierte Theorie wieder Gunst erwerben kann.
Erfüllte Pflicht empfindet sich immer noch als Schuld, weil man sich nie ganz genug getan.
Ergeht's euch wohl, so denkt an mich.
Erkenne dich! Was soll das heißen? / Es heißt: Sei nur und sei auch nicht! / Es ist eben einen Spruch der lieben Weisen, / der sich in der Kürze widerspricht.
Erkenntnis Baum ist nicht der Baum des Lebens.
Erlaubt ist, was gefällt.
Erlauchte Bettler hab ich gekannt, / Künstler und Philosophen genannt; / doch wüßt ich niemand, ungeprahlt, / der seine Zeche besser bezahlt.
Erringen will der Mensch, er will nicht sicher sein.
Erstaunend schwer ist es, sehen zu lernen, ohne selbst Hand anzulegen.
Erstorben ist im Herzen eigner Wille, / Entscheidung hoffst du dir vom Waltenden. / Jawohl! Das ewig Wirkende bewegt, / uns unbegreiflich, dieses oder jenes / als wie von ohngefähr zu unserm Wohl, / zum Rate, zur Entscheidung, zum Vollbringen, / und wie getragen werden wir ans Ziel. / Dies zu empfinden, ist das höchste Glück.
Es bildet ein Talent sich in der Stille, / sich ein Charakter in dem Strom der Welt
Es bringt uns nichts näher dem Wahnsinn, als wenn wir uns vor andern auszeichnen, und nichts erhält so sehr den gemeinen Verstand, als im allgemeinen Sinne mit vielen Menschen zu leben.
Es darf sich einer nur für frei erklären, so fühlt er sich den Augenblick als bedingt. Wagt er es, sich für bedingt zu erklären, so fühlt er sich frei.
Es erben sich Gesetz und Rechte / wie eine ewge Krankheit fort; / sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte / und rücken sacht von Ort zu Ort. / Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage: / Weh dir, daß du ein Enkel bist! / Vom Rechte, das mit uns geboren ist, / von dem ist leider nie die Frage.
Es findet sich in dem Werke des Herrn Bourrienne eine Liste der Bücher, die Napoleon in Ägypten bei sich geführt, worunter denn auch der Werther steht. Das Merkwürdige an dieser Liste aber ist, wie die Bücher unter verschiedenen Rubriken klassifiziert werden. Unter der Aufschrift Politique zum Beispiel finden wir aufgeführt: Le vieux testament, le nouveau testament, le coran. Woraus man denn sieht, aus welchem Gesichtspunkt Napoleon die religiösen Dinge angesehen.
Es freut mich, daß ich gegen alle Unbequemlichkeit völlig gleichgültig bin, sobald es sein muß und das Unternehmen einen Zweck hat.
Es freut sich die Gottheit der reuigen Sünder. / Unsterbliche heben verlorene Kinder / mit feurigen Armen zum Himmel empor.
Es fällt mir dabei jener junge Engländer in Rom ein, der abends, in einer Gesellschaft, sehr zufrieden erzählte, daß er doch heute sechs Kirchen und zwei Galerien beiseite gebracht habe. Man will mancherlei wissen und kennen und gerade das, was einen am wenigsten angeht.
Es geht durch die ganze Kunst eine Filiation. Sieht man einen großen Meister, so findet man immer, daß er das Gute seiner Vorgänger benutzte und daß eben dieses ihn großmachte.
Es geht mit der Übersetzung eines Buches, wie Sie von dem Kopieren eines Gemäldes sagen: Man lernt beide durch die Nachbildung erst recht kennen.