TOPZufallszitatVolltexteGedankensplitterReligionen
Anzeige

Heinrich Heine

deutscher Dichter (1797 - 1856)

133 Zitate, Sprüche & Aphorismen

  • "Die Liebe muß sein platonisch", / der dürre Hofrat sprach. / Die Hofrätin lächelt ironisch, / und dennoch seufzet sie: "Ach!" / Der Domherr öffnet den Mund weit: / "Die Liebe sei nicht zu roh, / sie schadet sonst der Gesundheit." / Das Fräulein lispelt: "Wieso?" / Die Gräfin spricht wehmütig: / "Die Liebe ist eine Passion!" / und präsentieret gütig / die Tasse dem Herrn Baron.

  • Unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muss bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will.

  • Kranke Menschen sind immer wahrhaft vornehmer als gesunde; denn nur der kranke Mensch ist ein Mensch. Seine Glieder haben eine Leidensgeschichte; sie sind durchgeistet.

  • Bei Weibern weiß man niemals, wo der Engel aufhört und der Teufel anfängt.

  • Am Meer, am wüsten, nächtlichen Meer / steht ein Jüngling-Mann, / die Brust voll Wehmut, das Haupt voll Zweifel, / und mit düstern Lippen fragt er die Wogen: / "O löst mir das Rätsel des Lebens, / das qualvoll uralte Rätsel, / worüber schon manche Häupter gegrübelt, / Häupter in Hieroglyphenmützen, / Häupter in Turban und schwarzem Barett, / Perückenhäupter und tausend andre, / arme, schwitzende Menschenhäupter. / Sagt mir, was bedeutet der Mensch? / Woher ist er kommen? Wo geht...

  • Die Handlungen eines Furchtsamen, wie die eines Genies, liegen außerhalb aller Berechnungen.

  • Du fragst mich Kind, was Liebe ist? / Ein Stern in einem Haufen Mist.

  • Das Glück ist eine leichte Dirne / und weilt nicht gern am selben Ort; / sie streicht das Haar dir Von der Stirne / und küßt dich rasch und flattert fort. / Frau Unglück hat im Gegenteile / dich liebefest ans Herz gedrückt; / sie sagt, sie habe keine Eile, / setzt sich zu dir ans Bett und strickt.

  • In dunklen Zeiten wurden die Völker am besten durch die Religion geleitet, wie in stockfinstrer Nacht ein Blinder unser bester Wegweiser ist; er kennt dann Wege und Stege besser als ein Sehender. Es ist aber töricht, sobald es Tag ist, noch immer die alten Blinden als Wegweiser zu gebrauchen.

  • Der Brief, den Du geschrieben, / er macht mich gar nicht bang. / Du willst mich nicht mehr lieben, / aber Dein Brief ist lang. / Zwölf Seiten, eng und zierlich! / Ein kleines Manuskript! / Man schreibt nicht so ausführlich, / wenn man den Abschied gibt.

  • Wer nicht so weit geht, wie sein Gefühl ihn treibt und sein Verstand ihm erlaubt, ist ein Dummkopf.

  • Ausgestoßene Verbrecher tragen oft mehr Menschlichkeit im Herzen als jene kühlen, untadelhaften Staatsbürger der Tugend, in deren bleichen Herzen die Kraft des Bösen erloschen ist, aber auch die Kraft des Guten.

  • Was ist die Musik? Sie steht zwischen Gedanken und Erscheinung; als dämmernde Vermittlerin steht sie zwischen Geist und Materie; sie ist beiden verwandt und doch von beiden verschieden; sie ist Geist, aber Geist, welcher eines Zeitmaßes bedarf; sie ist Materie, aber Materie, die des Raumes entbehren kann.

  • Die deutsche Ehe ist keine wahre Ehe. Der Ehemann hat keine Ehefrau, sondern eine Magd und lebt sein isoliertes Hagestolzleben im Geiste fort, selbst im Kreis der Familie. Ich will darum nicht sagen, daß er der Herr sei, im Gegenteil, er ist zuweilen nur der Bediente seiner Magd, und den Servilismus verleugnet er auch im Hause nicht.

  • Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib. Er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen. Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er wirft sich zu ihren Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen. Er schlägt sich für sie auf Tod und Leben. Er begeht für sie tausenderlei Torheiten. Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine Großmutter.

  • Zur verwickelten, langsamen Intrige neigen kleine, analytische Geister. Hingegen synthetisch-intuitive Geister wissen auf wunderbar geniale Weise die Mittel, die ihnen die Gegenwart bietet, so zu verbinden, daß sie dieselben zu ihrem Zwecke schnell benutzen können.

  • So ein bißchen Bildung ziert den ganzen Menschen.

  • Paris ist eigentlich Frankreich. Dieses ist nur die umliegende Gegend von Paris.

  • Ja, man muß seinen Feinden verzeihen, aber nicht eher, als bis sie gehängt worden.

  • Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unsern Kleidern.

  • Wir Deutschen hassen gründlich, dauernd; da wir zu ehrlich, auch zu unbeholfen sind, um uns mit schneller Perfidie zu rächen, so hassen wir bis zu unserem letzten Atemzug.

  • Eine schöne Hand ziert den ganzen Menschen.

  • "Vor seinem Tode", sagt Solon, "ist niemand glücklich zu schätzen." Wir dürfen auch sagen: Vor seinem Tode ist niemand als Charakter zu preisen.

  • Der Gedanke der Persönlichkeit Gottes als Geist ist ebenso absurd wie der rohe Anthropomorphismus, denn die geistigen Attribute bedeuten nichts und sind lächerlich ohne die körperlichen.

  • Alle kräftigen Menschen lieben das Leben.

  • Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.

  • Sie sang vom irdischen Jammertal, / von Freuden, die bald zerronnen, / vom Jenseits, wo die Seele schwelgt, / verklärt in ewigen Wonnen. / Sie sang das alte Entsagungslied, / das Eiapopeia vom Himmel, / womit man einlullt, wenn es greint, / das Volk, den großen Lümmel. / / Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, / ich kenn' auch die Herren Verfasser; / ich weiß, sie tranken heimlich Wein / und predigten öffentlich Wasser.

  • Das Leben ist eine Krankheit, die ganze Welt ein Lazarett, und der Tod ist unser Arzt.

  • Blamier mich nicht, mein schönes Kind, / und grüß mich nicht unter den Linden; / wenn wir nachher zu Hause sind, / wird sich schon alles finden.

  • Jede Zeit hat ihre Aufgabe, und durch die Lösung derselben rückt die Menschheit weiter.

  • Lächelnd scheidet der Despot; / denn er weiß, nach seinen Tod / wechselt Willkür nur die Hände, / und die Knechtschaft hat kein Ende.

  • Der Knecht singt gern ein Freiheitslied / des Abends in der Schenke.

  • Die Neger am Senegal versichern steif und fest, die Affen seien Menschen ganz wie wir, jedoch klüger, indem sie sich des Sprechens enthalten, um nicht als Menschen anerkannt und zum Arbeiten gezwungen zu werden.

  • Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sich betrachtet. Der Gute findet hier sein Paradies, der Schlechte genießt schon hier seine Hölle.

  • Aufopferung eigener Interessen ist ein Talent, das den Priestern der Liebe ebenso abgeht wie den sündigen Laien.

  • Im hungrigen Magen Eingang finden / nur Suppenlogik mit Knödelgründen, / nur Argumente von Rinderbraten, / begleitet mit Göttinger Wurstzitaten. / Ein schweigender Stockfisch, in Butter gesotten, / behaget den radikalen Rotten / viel besser als ein Mirabeau / und alle Redner seit Cicero.

  • In der Jugend ist die Liebe stürmischer, aber nicht so stark, so allmächtig wie später.

  • Und als ich auf dem Sankt Gotthard stand, / da hörte ich Deutschland schnarchen: / Es schlief da unten in guter Hut / von sechsunddreißig Monarchen.

  • Warum die Rose besingen, Aristokrat! Besing die demokratische Kartoffel, die das Volk nährt!

  • Ein Tor ist immer willig, / wenn eine Törin will.

  • Die Juden, wenn sie gut, sind sie besser, wenn sie schlecht, sind sie schlimmer als die Christen.

  • Sie haben mich gequälet, / geärgert blau und blaß, / die einen mit ihrer Liebe, / die andern mit ihrem Haß. / Sie haben das Brot mir vergiftet, / sie gossen mir Gift ins Glas, / die einen mit ihrer Liebe, / die andern mit ihrem Haß. / Doch sie, die mich am meisten / gequält, geärgert, betrübt, / die mich nie gehasset / und hat mich nie geliebt.

  • Manchmal kommt mir in den Sinn, / nach Amerika zu segeln, / nach dem großen Freiheitsstall, / der bewohnt von Gleichheitsflegeln.

  • Wenn du aber gar nichts hast, / ach, so lasse dich begraben; / denn ein Recht zum Leben, Lump, / haben nur, die etwas haben.

  • Ein Schwert sollt Ihr mir auf den Sarg legen; denn ich war ein braver Soldat im Befreiungskriege der Menschheit.

  • Himmlisch war's, wenn ich bezwang / meine sündige Begier, / aber wenn's mir nicht gelang, / hatt' ich doch ein groß Pläsier.

  • Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.

  • Weit impertinenter noch als durch Worte offenbart sich durch das Lächeln eines Menschen seiner Seele tiefste Frechheit.

  • Weise erdenken die neuen Gedanken, und Narren verbreiten sie.

  • Der Teufel, der Adel und die Jesuiten existieren nur so lange, wie man an sie glaubt.

Anzeige