Man ist ein Mann seines Fachs um den Preis, auch das Opfer seines Fachs zu sein.
Man ist um den Preis Künstler, daß man das, was alle Nicht-Künstler Form nennen, als Inhalt, als die Sache selbst empfindet.
Man liebt zuletzt seine Begierde und nicht das Begehrte.
Man lobt oder tadelt, je nachdem das eine oder das andere mehr Gelegenheit gibt, unsere Urteilskraft leuchten zu lassen.
Man muss die Gerüste wegnehmen, wenn das Haus gebaut ist.
Man muss für seinen Arzt geboren sein, sonst geht man an seinem Arzt zugrunde.
Man muss sich verdunkeln können, um die Mückenschwärme allzu lästiger Bewunderer loszuwerden.
Man muß aufhören, sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt.
Man muß die Probe machen, wer von den Freunden und von denen, welchen "unser Wohl am Herzen liegt", standhält: Behandelt sie einmal grob!
Man muß verstehen, ein Schwamm zu sein, wenn man von übervollen Herzen geliebt sein will.
Man nehme sich vor allen Personen in acht, welche das bittere Gefühl des Fischers haben, der nach mühevollem Tagewerk am Abend mit leeren Netzen heimfährt!
Man sagt mit großer Auszeichnung: "Das ist ein Charakter!" Ja! Wenn er grobe Konsequenz zeigt, wenn die Konsequenz auch dem stumpfen Auge einleuchtet! Aber sobald ein feinerer und tieferer Geist waltet und auf seine höhere Weise folgerichtig ist, leugnen die Zuschauer das Vorhandensein des Charakters.
Man schreibt im Angesichte der Poesie gute Prosa; denn diese ist ein ununterbrochener artiger Krieg mit der Poesie.
Man soll die Bettler abschaffen: Denn man ärgert sich, ihnen zu geben, und ärgert sich, ihnen nicht zu geben.
Man soll sich beim Eingehen einer Ehe die Frage vorlegen: Glaubst du, dich mit dieser Frau bis ins Alter hinein gut zu unterhalten? Alles andere in der Ehe ist transistorisch, aber die meiste Zeit des Verkehrs gehört dem Gespräche an.
Man soll vom Leben scheiden, wie Odysseus von Nausikaa schied: Mehr segnend als verliebt.
Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn verleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten als den Andersdenkenden.
Man vergilt seinem Lehrer schlecht, wenn man immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt Ihr nicht an meinem Kranze rupfen!
Man vergisst seine Schuld, wenn man sie einem andern gebeichtet hat, aber gewöhnlich vergisst der andere sie nicht.
Man verlernt die Anmaßung, wenn man sich immer unter verdienten Menschen weiß.
Man verlernt die Menschen, wenn man unter Menschen lebt: Zuviel Vordergrund ist an allen Menschen.
Man widerspricht oft einer Meinung, während uns eigentlich nur der Ton mißfällt, in dem sie vorgetragen wurde.
Man wird selten irren, wenn man extreme Handlungen auf Eitelkeit, mittelmäßige auf Gewöhnung und kleinliche auf Furcht zurückführt.
Manche Mutter braucht glückliche, geehrte Kinder, manche unglückliche: Sonst kann sich ihre Güte als Mutter nicht zeigen.
Mancher weiß nicht, wie reich er ist, bis er erfährt, was für reiche Menschen an ihm noch zu Dieben werden.
Mancher wird auch für seine Wahrheiten und Siege zu alt; ein zahnloser Mund hat nicht mehr das Recht zu jeder Wahrheit.
Mancher wird nur deshalb kein Denker, weil sein Gedächtnis zu gut ist.
Menschen, die nach Größe streben, sind gewöhnlich böse Menschen.
Mit Behagen aber verträgt sich nur die bescheidene Tugend.
Mit einem Talent mehr steht man oft unsicherer als mit einem weniger: Wie der Tisch besser auf drei als auf vier Füßen steht.
Mit einer sehr lauten Stimme im Halse ist man fast außerstande, feine Sachen zu denken.
Mitfreude, nicht Mitleiden macht den Freund.
Mißtraut allen, in welchen der Trieb zu strafen allmächtig ist!
Mutige Leute überredet man dadurch zu einer Handlung, dass man dieselbe gefährlicher darstellt, als sie ist.
Muß nicht der, welcher die Menge bewegen will, der Schauspieler seiner selbst sein? Muß er sich nicht selber erst ins Grotesk-Deutliche übersetzen und seine ganze Person und Sache in dieser Vergröberung und Vereinfachung vortragen?
Mütter sind leicht eifersüchtig auf die Freunde ihrer Söhne, wenn diese besondere Erfolge haben. Gewöhnlich liebt eine Mutter sich mehr in ihrem Sohne als den Sohn selbst.
Männer halten selten einen Beruf aus, von dem sie nicht glauben oder sich einreden, er sei im Grunde wichtiger als alle anderen. Ebenso ergeht es Frauen mit ihren Liebhabern.
Neid und Eifersucht sind die Schamteile der menschlichen Seele.
Nein, das Ziel der Menschheit kann nicht am Ende liegen, sondern nur in ihren höchsten Exemplaren.
Neues will der Edle schaffen und eine neue Tugend. Altes will der Gute und daß Altes erhalten bleibe.
Nicht der Mangel der Liebe, sondern der Mangel der Freundschaft macht die unglücklichen Ehen.
Nicht die Stärke, sondern die Dauer der hohen Empfindung macht die hohen Menschen.
Nicht fort sollt Ihr Euch entwickeln, sondern hinauf.
Nicht gegen den, der uns zuwider ist, sind wir am unbilligsten, sondern gegen den, welcher uns gar nichts angeht.
Nicht ihre Menschenliebe, sondern die Ohnmacht ihrer Menschenliebe hindert die Christen von heute, uns zu verbrennen.
Nicht nur fort sollt Du Dich pflanzen, sondern hinauf.
Nicht wir gegen den Gedanken Audienz, sondern die Gedanken geben uns Audienz.
Nicht woher Ihr kommt, mache Euch fürderhin Eure Ehre, sondern wohin Ihr geht.
Nichts ist kostspieliger als der Anfang.
Niemand dankt dem geistreichen Menschen die Höflichkeit, wenn er sich einer Gesellschaft gleichstellt, in der es nicht höflich ist, Geist zu zeigen.