Wenig Deutsche und vielleicht nur wenige Menschen aller neuer Nationen haben das Gefühl für ein ästhetisches Ganzes; sie loben und tadeln nur stellenweise.
Wenige Liebhaber bedenken, daß man nicht gerade alles wie die Bratwurst in der Garküche vom Rost in den Mund nehmen kann, sondern daß Vorbereitung verlangt wird sowohl unserer als des Gegenstandes.
Wenn alle Bande sich auflösen, wird man zu den häuslichen zurückgewiesen.
Wenn auch die Welt im ganzen fortschreitet, die Jugend muß doch immer wieder von vorne anfangen.
Wenn aus dem innerst tiefsten Grunde / du ganz erschüttert alles fühlst, / was Freud und Schmerzen jemals dir ergossen, / im Sturm dein Herz erschwillt, / in Tränen sich erleichtern will und seine Glut vermehrt / und alles klingt an dir und bebt und zittert / und all die Sinne dir vergehn / und du dir zu vergehen scheinst / und sinkst und alles um dich her / versinkt in Nacht und du in inner eigenem Gefühle / umfassest eine Welt, / dann stirbt der Mensch.
Wenn daher ein Schriftsteller aus verschiedenen Stufen seines Lebens Denkmale zurückläßt, so kommt es vorzüglich darauf an, daß er ein angeborenes Fundament und Wohlwollen besitze, daß er auf jeder Stufe rein gesehen und empfunden und daß er ohne Nebenzwecke grade und treu gesagt habe, wie er gedacht. Dann wird sein Geschriebenes, wenn es auf der Stufe recht war, wo es entstanden, auch ferner recht bleiben.
Wenn das Gewölbe widerschallt, / fühlt man erst recht des Basses Grundgewalt.
Wenn das Herz das Gute freiwillig annehmen kann, so findet es sich immer eher, als wenn man es ihm aufdringen will.
Wenn das Reh flieht, sagte sie lächelnd, so ist es darum nicht schuldig.
Wenn der Edelmann durch die Darstellung seiner Person alles gibt, so gibt der Bürger durch seine Persönlichkeit nichts und soll nichts geben. Jener darf und soll scheinen; dieser soll nur sein, und was er scheinen will, ist lächerlich und abgeschmackt. Jener soll tun und wirken, dieser soll leisten und schaffen; er soll einzelne Fähigkeiten ausbilden, um brauchbar zu werden, und es wird schon vorausgesetzt, daß in seinem Wesen keine Harmonie sei, noch sein dürfe, weil er, um sich auf eine Weise brauchbar zu machen, alles übrige vernachlässigen muß.
Wenn der Mann sich mit äußern Verhältnissen quält, wenn er die Besitztümer herbeischaffen und beschützen muß, wenn er sogar an der Staatsverwaltung Anteil nimmt, überall von Umständen abhängt und, ich möchte sagen, nichts regiert, indem er zu regieren glaubt, immer nur politisch sein muß, wo er gern vernünftig wäre, versteckt, wo er offen, falsch, wo er redlich zu sein wünschte; wenn er um des Zieles willen, das er nie erreicht, das schönste Ziel, die Harmonie mit sich selbst, in jedem Augenblicke aufgeben muß: Indessen herrscht eine vernünftige Hausfrau im Innern wirklich und macht einer ganzen Familie jede Tätigkeit, jede Zufriedenheit möglich.
Wenn der Pöbel heilige Namen ausspricht, / ist's Aberglaube oder Lästerung.
Wenn der Redner zum Volke spricht, / da wo er kaut, da juckt's ihn nicht.
Wenn der schwer Gedrückte klagt, / Hülfe, Hoffnung sei versagt, / bleibet heilsam fort und fort / immer noch ein freundlich Wort.
Wenn der Smaragd durch seine herrliche Farbe dem Gesicht wohltut, ja sogar einige Heilkraft an diesem edlen Sinn ausübt, so wirkt die menschliche Schönheit noch mit weit größerer Gewalt auf den äußern und innern Sinn. Wer sie erblickt, den kann nichts Übles anwehen; er fühlt sich mit sich selbst und mit der Welt in Übereinstimmung.
Wenn die Affen es dahin bringen könnten, Langeweile zu haben, so könnten sie Menschen werden.
Wenn die Alten ihre Briefe mit den Worten "si vales bene est, ego valeo" anzufangen pflegten, so täte ich wohl, auch eine solenne Formel über den Eingang meiner Briefe zu setzen, die eine Entschuldigung meines Stillschweigens ausdrückte, zum Beispiel: ignoscas tarde scribenti.
Wenn die Anmut einer herrlichen Gegend uns lindernd umgibt, wenn die Milde gefühlvoller Freunde auf uns einwirkt, so kommt etwas Eigenes über Geist und Sinn, das uns Vergangenes, Abwesendes traumartig zurückruft und das Gegenwärtige, als wäre es nur Erscheinung, geistermäßig entfernt.
Wenn die Menschen dich nicht bewundern oder beneiden, bist du auch nicht glücklich.
Wenn die Menschen recht schlecht werden, haben sie keinen Anteil mehr als die Schadenfreude.
Wenn die Natur des Fadens ewge Länge, / gleichgültig drehend, auf die Spindel zwingt, / wenn aller Wesen unharmonsche Menge / verdrießlich durcheinanderklingt: / Wer teilt die fließend immer gleiche Reihe / belebend ab, daß sie sich rhythmisch regt? / Wer ruft das Einzelne zur allgemeinen Weihe, / wo es in herrlichen Akkorden schlägt? / Wer läßt den Sturm zu Leidenschaften wüten? / Das Abendrot im ernsten Sinne glühn? / Wer schüttet alle schönen Frühlingsblüten / auf der Geliebten Pfade hin? / Wer flicht die unbedeutend-grünen Blätter / zum Ehrenkranz Verdiensten jeder Art? / Wer sichert den Olymp? Vereinet die Götter? / Des Menschen Kraft, im Dichter offenbart!
Wenn diesen Langeweile treibt, / kommt jener satt vom übertischten Mahle, / und, was das Allerschlimmste bleibt, / gar mancher kommt vom Lesen der Journale. / Man eilt zerstreut zu uns wie zu den Maskenfesten, / und Neugier nur beflügelt jeden Schritt; / die Damen geben sich und ihren Putz zum besten / und spielen ohne Gage mit. / Was träumet Ihr auf Eurer Dichterhöhe? / Was macht ein volles Haus Euch froh? / Beseht die Gönner in der Nähe! / Halb sind sie kalt, halb sind sie roh.
Wenn dir's im Kopf und Herzen schwirrt, / was willst du Beßres haben! / Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, / der lasse sich begraben.
Wenn du bescheiden ruhig das Talent, / das dir die Götter gaben, tragen kannst, / so lern auch diese Zweige tragen.
Wenn du dich selber machst zum Knecht, / bedauert dich niemand, geht's dir schlecht. / Machst du dich aber selbst zum Herrn, / die Leute sehn es auch nicht gern. / Und bleibst du redlich, wie du bist, / so sagen sie, daß nichts an dir ist.
Wenn Du eine glühende Masse Eisen auf dem Herde siehst, so denkst Du nicht, daß soviel Schlacken drin stekken, als sich erst offenbaren, wenn es unter den großen Hammer kommt. Dann scheidet sich der Unrat, den das Feuer selbst nicht absonderte, und fließt und stiebt in glühenden Tropfen und Funken davon, und das gediegene Erz bleibt dem Arbeiter in der Zange. Es scheint, als wenn es eines so gewaltigen Hammers bedurft habe, um meine Natur von den vielen Schlacken zu befreien und mein Herz gediegen zu machen.
Wenn du eine weise Antwort verlangst, / Musst du vernünftig fragen.
Wenn du erfahren bist, sollst du nutzen.
Wenn du ihr Freiheit läßt, so wird sie Dich nicht lassen, / doch machst Du's ihr zu arg, gibt acht, sie wird Dich hassen!
Wenn du laut den einzelnen schiltst, er wird sich verstocken, / wie sich die Menge verstockt, wenn du im ganzen sie lobst.
Wenn du manches an mir dulden mußt, so ist es billig, daß ich auch wieder von dir leide. Es ist auch so viel besser, daß man freundlich abrechnet, als daß man sich immer einander anähnlichen will und. wenn das nicht reüssiert, einander aus dem Wege geht.
Wenn Du sagst, immer waren nur schwache Menschen Tyrannen, so scheint es mir zu allgemein und gegen die Erfahrung zu sein. Gewaltsame, harte, rohe Naturen können und müssen physisch fest organisiert sein, können der regelmäßigsten Gesundheit genießen und doch, ja vielmehr eben deswegen grausame, selbstische Tyrannen sein.
Wenn du stille bist, wird dir geholfen.
Wenn du weinen kannst, so danke Gott!
Wenn durch die Phantasie nicht Dinge entständen, die für den Verstand ewig problematisch bleiben, so wäre überhaupt zu der Phantasie nicht viel. Dies ist es, wodurch sich die Poesie von der Prosa unterscheidet, bei welcher der Verstand immer zu Hause ist.
Wenn ein Edler gegen dich fehlt, / so tu, als hättest du's nicht gezählt! / Er wird es in sein Schuldbuch schreiben / und dir nicht lange im Debet bleiben.
Wenn ein Gewölbe sich dem Schlussstein anvertraut, / Dann ist's mit Sicherheit für ew'ge Zeit erbaut.
Wenn ein großer Mensch ein dunkel Eck hat, dann ist's recht dunkel!
Wenn ein Jahr nicht leer verlaufen soll, so muß man beizeiten anfangen.
Wenn ein paar Menschen recht miteinander zufrieden sind, kann man meistens versichert sein, daß sie sich irren.
Wenn ein Weib einmal vom rechten Wege ab ist, dann geht es auch blind und rücksichtslos auf dem bösen fort.
Wenn ein Wunder auf der Welt geschieht, / geschieht's durch liebevolle, treue Herzen.
Wenn einem Autor ein Lexikon nachkommen kann, so taugt er nichts.
Wenn einen Menschen die Natur erhoben, / ist es kein Wunder, wenn ihm viel gelingt; / man muß in ihm die Macht des Schöpfers loben, / der schwachen Ton zu solcher Ehre bringt.
Wenn einer singen lernen will, sind ihm alle diejenigen Töne, die in seiner Kehle liegen, natürlich und leicht. Die anderen aber, die nicht in seiner Kehle liegen, sind ihm anfänglich äußerst schwer. Um aber ein Sänger zu werden, muß er sie überwinden; denn sie müssen ihm alle zu Gebote stehen. Ebenso ist es mit einem Dichter. Solange er bloß seine wenigen subjektiven Empfindungen ausspricht, ist er noch keiner zu nennen; aber sobald er die Welt sich anzueignen und auszusprechen weiß, ist er ein Poet. Und dann ist er unerschöpflich und kann immer neu sein.
Wenn er bemerkt, daß die Welt sehr leicht zu befriedigen ist und selbst nur einen leichten, gefälligen, behaglichen Schein begehrt, so wäre es zu verwundern, wenn nicht Bequemlichkeit und Eigenliebe ihn bei dem Mittelmäßigen festhielten. Es wäre seltsam, wenn er nicht lieber für Modewaren Geld und Lob eintauschen als den rechten Weg wählen sollte, der ihn mehr oder weniger zu einem kümmerlichen Märtyrertum führt.
Wenn er von bestem Humor ist, mag er gern die Schrecknisse eines Familientisches lebhaft schildern, wo jedes Glied mit fremden Gedanken beschäftigt sich niedersetzt, ungern hört, in Zerstreuung spricht, muffig schweigt und, wenn gar das Unglück kleine Kinder heranführt, mit augenblicklicher Pädagogik die unzeitigste Mißstimmung hervorbringt.
Wenn euer Gewissen rein ist, so seid ihr frei.
Wenn Fremde sich in unsere Lage fühlen, sind sie wohl näher als die Nächsten, die oft unseren Gram als wohlbekanntes Übel mit lässiger Gewohnheit übersehen.
Wenn Fremde sich in unsre Lage fühlen, / sind sie wohl näher als die Nächsten, die / oft unsern Gram als wohlbekanntes Übel / mit lässiger Gewohnheit übersehn.