Unmöglich ist's, drum eben glaubenswert.
Unmöglich ist, was Edle nicht vermögen.
Unreine Lebensverhältnisse soll man niemand wünschen; sie sind aber für den, der zufällig hineingerät, Prüfsteine des Charakters und des Entschiedensten, was der Mensch vermag.
Uns Alten rechnet man den Irrtum zugute, weil wir die Wege nicht gebahnt fanden; wer aber später in die Welt eintritt, von dem verlangt man mehr. Der soll nicht abermals irren und suchen, sondern er soll den Rat der Alten nutzen.
Uns andern, die zum Erbteil keine politische Macht erhalten haben, die nicht geschaffen sind, um Reichtümer zu erwerben, ist nichts willkommener, als was die Gewalt des Geistes ausbreitet und befestigt.
Uns lehrt eigener Schmerz, der andern Schmerzen zu teilen.
Uns liebt er nicht - verzeih, daß ich es sage! / Aus allen Sphären trägt er, was er liebt, / auf einen Namen nieder, den wir führen, / und sein Gefühl teilt er uns mit.
Uns rührt die Erzählung jeder guten Tat, uns rührt das Anschauen jedes harmonischen Gegenstandes; wir fühlen dabei, daß wir nicht ganz in der Fremde sind.
Uns wechselseitig einen Überblick der bewohnten und bewohnbaren Welt zu geben ist die angenehmste, höchst belohnende Unterhaltung.
Unschuldig ist der Hoffnung Schmeichelei.
Unschuldige Liebe erfreut die Gottheit, statt sie zu beleidigen.
Unser deutsches Kegelbahnvergnügen erscheint roh und ordinär und hat sehr viel vom Philister.
Unser Hausherr, als Jüngling nach Europa gelangt, fand sich hier ganz anders. Diese unschätzbare Kultur, seit mehreren tausend Jahren entsprungen, gewachsen, ausgebreitet, gedämpft, gedrückt, nie ganz erdrückt, wieder aufatmend, sich neu belebend und nach wie vor in unendlichen Tätigkeiten hervortretend, gab ihm ganz andere Begriffe, wohin die Menschheit gelangen kann. Er zog vor, an den großen, unübersehlichen Vorteilen sein Anteil hinzunehmen und lieber in der großen, geregelt tätigen Masse mitwirkend sich zu verlieren, als drüben über dem Meere, um Jahrhunderte verspätet, den Orpheus und Lykurg zu spielen.
Unsere deutschen Ästhetiker reden zwar viel von poetischen und unpoetischen Gegenständen und sie mögen auch in gewisser Hinsicht nicht ganz unrecht haben, allein im Grunde bleibt kein realer Gegenstand unpoetisch, sobald der Dichter ihn gehörig zu gebrauchen weiß.
Unsere Hoffnungen und Wünsche sind von so kindischer Natur, daß ihnen Mögliches und Unmögliches beides von einer Art zu sein scheint.
Unsere jetzigen Talente liegen alle auf dem Präsentierteller der Öffentlichkeit. Die täglich an fünfzig verschiedenen Orten erscheinenden kritischen Blätter und der dadurch im Publikum bewirkte Klatsch lassen nichts Gesundes aufkommen. Wer sich heutzutage nicht ganz davon zurückhält und sich nicht mit Gewalt isoliert, ist verloren.
Unsere Leidenschaften sind wahre Phönixe. Wie der alte verbrennt, steigt der neue sogleich wieder aus der Asche hervor.
Unsere moralische und politische Welt ist mit unterirdischen Gängen, Kellern und Kloaken miniert, wie eine große Stadt zu sein pflegt.
Unsere Nachbarn, die Franken, in ihren früheren Zeiten / hielten auf Höflichkeit viel; sie war dem Edlen und Bürger / wie den Bauern gemein, und jeder empfahl sie den Seinen. / Und so brachten bei uns auf deutscher Seite gewöhnlich / auch die Kinder des Morgens mit Händeküssen und Knixchen / Segenswünsche den Eltern.
Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden.
Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden. Was wir können und möchten, stellt sich unserer Einbildungskraft außer uns und in der Zukunft dar; wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon im Stillen besitzen. So verwandelt ein leidenschaftliches Vorausgreifen das wahrhaft Mögliche in ein erträumtes Wirkliches.
Unsere zweideutige zerstreute Erziehung macht die Menschen ungewiß. Sie erregt Wünsche, statt Triebe zu beleben, und anstatt den wirklichen Anlagen aufzuhelfen, richtet sie das Streben nach Gegenständen, die so oft mit der Natur, die sich nach ihnen bemüht, nicht übereinstimmen.
Unsinn und Wut / durchflammt ein Volk weit eh'r als Lieb' und Freude.
Unsre Eigenschaften müssen wir kultivieren, nicht unsre Eigenheiten.
Unsre Miliz war doch noch ein lustig Volk. Sie nahmen sich was heraus, stunden mit ausgegrätschten Beinen da, hatten den Hut überm Ohr, lebten und ließen leben; diese Kerle aber sind wie Maschinen, in denen ein Teufel sitzt.
Unsre Taten selbst, so gut als unsre Leiden, / Sie hemmen unsres Lebens Gang.
Unteilbar ist die Schönheit; der sie ganz besaß, / zerstört sie lieber, fluchend jedem Teilbesitz.
Unter allem Diebsgesindel sind die Narren die schlimmsten. Sie rauben euch beides, Zeit und Stimmung.
Unter allen Festen ist das Hochzeitsfest das unschicklichste. Keines sollte mehr in Stille, Demut und Hoffnung begangen werden als dieses.
Unter dem leichten Geschlecht erscheinst du schwer und bedächtig, / aber zu Regel und Zucht winkst du die Schwestern zurück.
Unter mancherlei wunderlichen Albernheiten der Schulen kommt mir keine so vollkommen lächerlich vor als der Streit über die Echtheit alter Schriften, alter Werke. Ist es denn der Autor oder die Schrift, die wir bewundern oder tadeln?
Unter viel Verhaßtem ist mir das Schreiben das Verhaßteste.
Unterschieden ist nicht das Schöne vom Guten, das Schöne / ist nur das Gute, das sich lieblich verschleiert uns zeigt.
Unverträglich fürwahr ist der Glückliche! Werden die Leiden / endlich euch lehren, nicht mehr wie sonst mit dem Bruder zu hadern?
unvorbereitetes Wegeilen bringt unglückliche Wiederkehr.
Unwahrheit kann uns ebensosehr in Verlegenheit setzen als Wahrheit; und wenn wir abwägen, wie oft uns diese oder jene nutzt, so möchte es doch immer der Mühe wert sein, sich ein für allemal dem Wahren zu ergeben.
Ursache des Dilettantismus: Flucht vor der Manier, Unkenntnis der Methode, törichtes Unternehmen, gerade immer das Unmögliche leisten zu wollen, welches die höchste Kunst erforderte, wenn man sich ihm je nähern könnte.
Verfahre ruhig, still, / brauchst dich nicht anzupassen. / Nur wer was gelten will, / muß andre gelten lassen.
Verflucht! Zur rechten Zeit fällt einem nie was ein, / und was man Gutes denkt, kommt meist erst hintendrein.
Verfluchtes Volk! Kaum bist du frei, / so brichst du dich in dir selbst entzwei. / War nicht der Not, des Glücks genug? / Deutsch oder Teutsch, du wirst nicht klug.
Vergeben Sie, versetzte Wilhelm, meiner Verlegenheit und meinen Zweifeln, dieses Geschenk anzunehmen. Es vernichtet gleichsam das wenige, was ich getan habe, und hindert das freie Spiel einer glücklichen Erinnerung. Geld ist eine schöne Sache, wo etwas abgetan werden soll.
Vergebens werden ungebundene Geister / nach der Vollendung reiner Höhe streben. / Wer Großes will, muß sich zusammenraffen. / In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, / und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.
Vergebung erhalten ist für mein Herz eben so süße als Dank verdienen, ja noch süßer; denn die Empfindung ist uneigennütziger.
Vergiß mein nicht, das ist ein schlechtes Fressen! / Wer will denn leben, kann er nicht vergessen?
Vergleiche doch die jugendliche Glut, / die selbstischen Besitz verzehrend hascht, / nicht dem Gefühl des Vaters, der entzückt, / in heilgem Anschaun stille hingegeben, / sich an Entwicklung wunderbarer Kräfte, / sich an der Bildung Riesenschritten freut. / Der Liebe Sehnsucht fordert Gegenwart; / doch Zukunft ist des Vaters Eigentum. / Dort liegen seiner Hoffnung weite Felder, / dort seiner Saaten keimender Genuß.
Vergnügen sucht der Mann sich in Gefahren.
Verheiratete Frauen, wenn sie sich auch untereinander nicht lieben, stehen doch stillschweigend miteinander, besonders gegen junge Mädchen, im Bündnis.
Verlang ich Rat von einem alten Weibe?
Verleg sie sich auf Neuigkeiten! / Nur Neuigkeiten ziehn uns an!
Verlorne Liebe, wo ist da Ersatz für?